Die Entwicklung der Kopfform deines Babys - Und was dabei schief gehen kann

Nur die wenigsten Babys sehen nach der Geburt perfekt geformt und symmetrisch aus. Insbesondere die Kopfform wirkt oft etwas schräg oder schief geraten. Das ist jedoch erstmal nicht besorgniserregend, sondern den extremen Bedingungen im Mutterleib und während der Geburt geschuldet. Der Druck im Geburtskanal ist hoch und damit die Kleinen dort hindurch passen, hat sich die Natur einen intelligenten Mechanismus einfallen lassen. 

Der Kopf lässt sich verschieben

Die Schädelknochen von Babys sind mit einer besonderen Formbarkeit und Elastizität ausgestattet. Sie sind weich und dehnbar. Das ist so, damit sie bei der Geburt problemlos durch den Geburtskanal passen und weil der Kopf im ersten Lebensjahr enorm schnell wächst. Das Gehirn eines Kindes erreicht bis zum ersten Geburtstag bereits 75% seiner späteren Größe. Die einzelnen Schädelknochen sind als solche bereits teilweise aus flexiblem Material gebaut und darüber hinaus gibt es dazwischen sogenannte Knorpelfugen, die sich durch ihre Elastizität zusammenschieben lassen. Dabei handelt es sich allerdings keineswegs um einen dauerhaften Zustand, sondern um einen genau abgestimmten Prozess, der eine optimale Anpassung an die Bedingungen sowohl vor als auch nach der Geburt gewährleistet. Dieser beginnt bereits in der frühen Schwangerschaft mit der Entwicklung der Schädelbasis, die zunächst aus dehnbarem Knorpel besteht und erst zu einem viel späteren Zeitpunkt nach der Geburt zu festem Knochengewebe wird. Außerdem gibt es gleich mehrere Fontanellen, welche die Verschiebbarkeit der einzelnen Schädelknochen erlauben. Einige davon lassen sich sehr gut, andere wiederum nur schlecht ertasten. Die große Fontanelle, die zentral über der Stirn liegt, ist sehr gut zu fühlen und ist auch meistens gemeint, wenn man im Volksmund von der Fontanelle spricht. Erst ungefähr nach dem ersten Geburtstag beginnt der Schädel damit, die einzelnen Knochen durch sogenannte Schädelnähte miteinander zu verbinden und so den Stabilisierungsvorgang einzuleiten. Von nun an steht der Schutz des Gehirns im Fokus und die Flexibilität tritt in den Hintergrund. Der Kopf bei einem fünf Monate alten Baby macht im Vergleich zur restlichen Körpermasse bereits 25% aus. Bei einem Erwachsenen sind es nur noch 6%. Die vorübergehende Formbarkeit des Schädels wird also bestmöglich genutzt, was sich am verhältnismäßig schnellen Wachstum des Kopfes veranschaulichen lässt. Der wächst nämlich deutlich schneller als der Rest des Körpers. 

Was passiert während der Geburt?

Der Vorgang der Geburt ist für Mutter und Kind eine extreme Herausforderung, bei der starke Kräfte wirken. Durch die Wehen wird ein starker Druck aufgebaut, der das Baby in und durch den Geburtskanal presst. Durch seine Enge baut der Geburtskanal ebenfalls zusätzlichen Druck auf das Kind auf. Im Normalfall, wenn alles nach Plan läuft, wird das Kleine mit dem Kopf voraus nach draußen geschoben, da er das größte Körperteil ist. Der Schädel drückt die Beckenknochen der Mutter dabei nach außen, was allerdings nur bis zu einem gewissen Grad möglich ist. Die durch die Beckenknochen entstehende Gegenkraft führt dann zu der Anpassungsreaktion des Babys, bei der der Kopf zusammengedrückt und verformt wird. In der Regel ist das vollkommen unbedenklich und die Deformation bildet sich ein paar Tage nach der Geburt wieder zurück. So erklärt sich, warum der Kopf deines Kindes, unmittelbar nachdem es das Licht der Welt erblickt hat, vielleicht noch eine längliche Beule am Hinterkopf hat oder an manchen Stellen etwas schräg, schief oder platt aussieht. Es gibt dennoch einige Fälle, in denen sich die Schädelknochen überdurchschnittlich stark und gleich mehrere Millimeter übereinander schieben. Dabei ist der Druck auf die Knorpelfugen so stark, dass sie sich nicht wieder von selbst zurückbilden können. Man spricht dann von einer Plagiozephalie. 

Was ist eine Plagiozephalie 

Dahinter verbirgt sich nichts anderes als der medizinische Fachausdruck für die Verformung des Schädels. Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen zwei verschiedenen Typen:

  • Die Plagiozephalie kann bereits vor der Geburt entstehen. Dabei können gleich mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Im Mutterleib ist der kindliche Schädel, wie bereits erwähnt, noch sehr flexibel und formbar. Durch eine ungünstige Lage in der Gebärmutter kann es sein, dass die mütterlichen Beckenknochen auf den Kopf drücken und zu einer Deformation führen. 

Kommt es dann zu einer verfrühten Verknöcherung der Schädelnähte spricht man von einer Kraniosynostose. Bedingt durch die viel zu frühe Verhärtung der Bereiche, die eigentlich elastisch sein sollten, kommt es zu einem fehlgeleiteten Wachstum, bei dem der heranwachsende Kopf versucht die Kraniosynostose zu kompensieren. Dadurch kommt es zu Fehlbildungen, wie einem Turmschädel, bei dem der Schädel stark in die Höhe wächst, oder einem Kahnschädel, wobei der Schädel stark nach hinten wächst. Von dieser Erkrankung ist statistisch eines von 2000 Kindern betroffen. Glücklicherweise kann die Fehlentwicklung in den meisten Fällen frühzeitig operativ korrigiert werden. Die Ursachen können vielfältig sein, jedoch konnte in Studien nachgewiesen werden, dass das Risiko einer Fehlbildung des Schädels um 33% steigt, wenn die Mutter in der Schwangerschaft raucht

  • Die zweite Form der Plagiozephalie entsteht nach der Geburt in erster Linie durch längeres Liegen auf einer bestimmten Seite des Kopfes. Man spricht dann von einer lagebedingten Asymmetrie, die häufig besonders den Hinterkopf betrifft, da Babys zum Schlafen meist auf den Rücken gelegt werden, um das Risiko des plötzlichen Kindestodes zu minimieren. Der Kopf des Babys wird lagebedingt flach gedrückt, sodass ein platter Hinterkopf entsteht. 

Das damit einhergehende Risiko einer Schädelverformung kann allerdings mit einigen Maßnahmen beeinflusst werden. Diese reichen von regelmäßigem Variieren der Liegeposition bis hin zu speziellen Kissen oder Helmen. Die Fachwelt ist nicht einig darüber, ob es sich dabei nur um ein kosmetisches Problem handelt oder ob durch die Verformung andere Krankheitsbilder, wie Zahn- oder Kieferfehlstellungen begünstigt werden. Außerdem wird sogar über eine Beeinträchtigung der Motorik, dem Seh- und dem Hörvermögen diskutiert. Dementsprechend solltest du die Lage deines Kindes genau im Blick behalten und im Zweifelsfall lieber Rücksprache mit deinem Kindesarzt halten.

Klar abzugrenzen sind diese Arten von Fehlbildungen übrigens vom Krankheitsbild des Hydrozephalus, auch Wasserkopf genannt, denn dabei ist nicht der Schädel direkt betroffen, sondern ein Teil des Gehirns, welcher sich durch eine Fehlentwicklung zwar auf den Schädel auswirkt, seine Ursache allerdings in einer Vergrößerung der Flüssigkeitsräume im Gehirn hat. 

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