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11.03.2020
Entwicklung

Ist dein Kind ein High-Need-Baby?

Du fragst dich wie es möglich ist, dass andere Babys seelenruhig schlafen, einfach nur zufrieden lächeln und schlichtweg kleine Engelchen sind, während dein Sprössling dir keine freie Sekunde gönnt und dich den ganzen Tag auf Trab hält? Dann haben wir hier eine Erklärung, die dir möglicherweise hilft zu verstehen, warum manche Eltern in den Genuss eines scheinbar tiefenentspannten Babys kommen und du dagegen von deinem Kleinen an die Belastungsgrenze getrieben wirst: Du hast ein High-Need Baby.

Was ist ein High-Need-Baby?

Na klar, du liebst dein Kind bedingungslos, aber manchmal kommst du vielleicht trotzdem nicht umhin das Leben unfair zu finden, weil dein Baby im Vergleich zu den Kindern von Freund:innen oder Bekannt:innen einfach viel anstrengender ist.
Das liegt daran, dass Neugeborene mit ganz unterschiedlichen Temperamenten und Charaktereigenschaften auf die Welt kommen. Die Gründe dafür liegen in den individuellen genetischen Unterschieden von Kindern, allerdings können sich auch Einflüsse während der Schwangerschaft bereits auf die Persönlichkeit auswirken. Auf der einen Seite gibt es die eher unkomplizierten und ruhigeren Kinder, auf der anderen Seite aber auch Babys, die um ein Vielfaches mehr Zuwendung einfordern.

Wie erkenne ich ein High-Need-Baby?

Mit Sicherheit ist dir klar, dass ein Baby ganz viel Aufmerksamkeit benötigt und das gesamte Leben  auf den Kopf stellt. Außerdem gibt es unterschiedliche Phasen, von denen einige besonders kräftezehrend sind. Manche Kinder fordern allerdings so viel, dass sie ihre Eltern damit überfordern, auch wenn die eigentlich alles richtig machen. Für diese besonders extremen Fälle hat der amerikanische Kinderarzt Dr. Sears ein Konzept entwickelt, welches das spezielle Naturell dieser Kinder beschreibt und erklärt. Wenn alle der folgenden zwölf Kriterien auf dein Baby zutreffen, dann hast du ein sogenanntes High-Need-Baby.

Die 12 Kriterien nach Dr. Sears

  • Intense:
  • Erfahrene Hebammen merken es, laut Dr. Sears, sofort, wenn sie es mit einem High-Need-Baby zu tun haben. High-Need-Babys schreien mit aller Kraft und spannen außerdem oft die kleinen Muskeln an. Wenn ihre Bedürfnisse nicht sofort gestillt werden, schreien die Kleinen oft nur noch mehr. Ihr Charakter lässt sich als „getrieben“ beschreiben, gleichzeitig sind sie aber auch neugierig und aktiv. Im späteren Leben sind es oft ebenfalls diese Eigenschaften, die sie auszeichnen.

  • Hyperactive:
  • Hiermit ist nicht ADHS gemeint, sondern ein allgemein hohes Aktivitätslevel. Sowohl körperlich als auch im Kopf ist bei High-Need-Babys praktisch nie Stillstand angesagt. Ständig wollen sie sich bewegen und steuern auf irgendein Ziel zu. Einfach mal nichts zu tun, kommt nicht in Frage. Das kann sogar so weit gehen, dass sie sich nicht wohlfühlen, wenn sie im Arm gehalten werden, sondern lieber ihrem Aktivitätsdrang nachgehen oder besser gesagt nachkrabbeln wollen.

  • Draining:
  • Dein Kind ist einfach anstrengend. Es verlangt den ganzen Tag nach deiner Aufmerksamkeit und gönnt dir keine Pause. Häufig musst du alles andere stehen und liegen lassen, um dich stundenlangem Schunkeln, Stillen und Beruhigen zu widmen. Hier ist einfach Durchhaltevermögen gefragt. Mach dir keine Vorwürfe, das ist nun mal einfach der Charakter von High-Need-Babys.

  • Feeds frequently:
  • Das bedeutet nichts Anderes als ständiges Stillen. Die Brust der Mutter ist auch für High-Need-Babys ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit. Außerdem ist es einer der wenigen Momente, in denen sie mal zur Ruhe kommen können. Dementsprechend wird Mamas Brust oft und ausgiebig gefordert.

  • Demanding:
  • Manche Kinder fangen langsam und zögerlich an zu weinen, nicht so dein High-Need-Baby. Bei solchen ist es eher ein lautstarkes und forderndes Schreien. Wenn du der Forderung nicht sofort nachkommst, wird alles nur noch schlimmer. Dein Kind gibt dir vollkommen alternativlos zu verstehen, was es will und was es von dir braucht. Wohl oder übel musst du akzeptieren, dass du diesbezüglich kaum die Kontrolle haben wirst.

  • Awakens frequently:
  • Das einzige was High-Need-Babys nicht im Übermaß fordern, ist Schlaf. Nachts wachen sie oft auf und schlafen generell schwieriger ein. Laut Dr. Sears können sie einfach schlechter abschalten. Alles was du tun kannst, ist eine möglichst schlaffördernde Umgebung zu schaffen. Hierbei können die richtigen Einschlafhilfen dein Baby gut in den Schlaf begleiten. Außerdem braucht dein kleiner Liebling oft mehr Körperkontakt, um sich nachts sicher zu fühlen.

  • Unsatisfied:
  • Egal wie sehr du dich anstrengst und bemühst, dein Kind macht häufig einen unzufriedenen Eindruck. High-Need-Babys haben besondere Ansprüche und fühlen sich oft nicht befriedigt. Nimm es nicht persönlich, das gehört einfach zu ihrem Naturell. Außerdem haben es sich die Kleinen ja auch nicht so ausgesucht.

  • Unpredictable:
  • Das Lieblingsspielzeug von gestern ist heute schon ein Grund, um in Tränen auszubrechen, denn Unberechenbarkeit ist ebenfalls eine Eigenschaft von High-Need-Babys. Sie haben starke Stimmungsschwankungen und ein ebenso schwankendes wie intensives Gefühlsleben.

  • Super-Sensitive:
  • High-Need-Babys haben ein überdurchschnittliches Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrauen. Selbst kleinste Unsicherheiten und Veränderungen lösen teils heftige Reaktionen aus. Mit ihrer erhöhten Sensibilität nehmen sie jeden Reiz auf. Das Gute ist, mit zunehmendem Alter kann sich daraus ein starkes empathisches Vermögen entwickeln. Eine Eigenschaft, die man gar nicht genug schätzen kann!

  • Can’t put baby down:
  • Im Einklang mit den bereits beschriebenen Eigenschaften kann es sein, dass sich dein Baby nicht gerne ablegen lässt und danach verlangt im Arm gehalten zu werden. Ein paar Minuten später ist die Sehnsucht nach Geborgenheit aber vielleicht auch schon wieder gestillt und es will wieder loskrabbeln.

  • Not a self-soother:
  • High-Need-Babys haben später oft besondere Fähigkeiten. Im Babyalter fällt es ihnen dagegen schwer, sich selbst zu beruhigen. Kuscheltiere und Schnuller helfen dabei auch eher selten. Viel mehr ist es der zwischenmenschliche Kontakt, der sie besänftigt.

  • Seperation sensitive:
  • Wie gesagt, High-Need-Babys haben Schwierigkeiten mit Veränderungen. Du kannst dir sicher vorstellen, dass sie Trennungen von Bezugspersonen gar nicht mögen. Die Eingewöhnung in der Kita kann da schonmal etwas länger dauern.

Was hilft bei einem Alltag mit High-Need-Baby?

Der Austausch mit anderen Eltern

Falls du Mutter oder Vater eines High-Need-Babys bist, lass dir gesagt sein: Du bist nicht allein! Nur wer selbst eines hat, weiß wie viel Energie der kleine Schatz kostet. Deshalb kann es hilfreich sein, sich mit anderen betroffenen Eltern auszutauschen. Geteiltes Leid ist schließlich häufig halbes Leid.

Hol dir Unterstützung!

Ob durch deine Eltern, die Schwiegereltern, deine Hebamme, Freund:innen oder durch Therapeut:innen– hol dir auf jeden Fall Unterstützung! Manchmal reicht es, wenn euch euer engeres Umfeld ein bisschen Arbeit abnimmt und mal eben einspringt, wenn es gerade wieder sehr stressig ist. Um Hilfe zu bitten ist so wichtig und sorgt dafür, dass ihr erst einmal wieder Luft holen könnt. Natürlich gibt es aber auch Beratungsstellen und Therapeut:innen, die euch mit ganz vielen professionellen Tipps zur Seite stehen können.

Aufgaben auch mal liegen lassen

Dein kleiner Liebling ist endlich eingeschlafen und du willst in der Zeit den Haushalt schmeißen, ein notwendiges Telefonat führen oder wichtige Termine ausmachen? Das kann alles warten! Viel wichtiger ist, dass du die Zeit nutzt, um dich auch auszuruhen und vielleicht sogar ein wenig Schlaf nachzuholen! 
Auch wenn es schwierig ist, Hausarbeiten und andere Verpflichtungen einfach beiseitezuschieben, solltest du genau das unbedingt tun. Monatelanger Schlafmangel und der Alltag mit High-Need-Baby sind unglaublich kräftezehrend, sodass es absolut essenziell ist, sich zu erholen und zu entspannen. Du brauchst deswegen überhaupt kein schlechtes Gewissen zu haben!

Wir hoffen, dass dir die Beschreibungen aus Dr. Sears Konzept helfen konnte, das Verhalten deines Kindes einzuordnen und zu verstehen.

In diesem Artikel erfährst du, warum High-Need-Babys häufig unter Schlafstörungen leiden

Finn
Finn
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