Schwangerschaftsübelkeit - Fluch oder Segen?

Der Blick auf einen positiven Schwangerschaftstest löst in der Regel große Freude aus. Was zu Beginn einer Schwangerschaft aber ebenfalls oft ausgelöst wird, sind Übelkeit und Brechreiz. Das Phänomen der sogenannten Schwangerschaftsübelkeit betrifft viele werdende Mütter und ist ausgesprochen lästig. Aber so unangenehm das Ganze auch sein mag, es gibt gute Gründe dafür. Was es mit denen auf sich, hat verraten wir dir jetzt. 

Der Körper verändert sich

Die Liste der Veränderungen, die auf den Körper in den neun Monaten der Schwangerschaft zukommen, ist lang. Dabei wird so manche Körperfunktion völlig auf den Kopf gestellt. Noch vor einigen Wochen war der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee fester Bestandteil deiner Morgenroutine. Aber jetzt wird dir davon urplötzlich übel und du bekommst ein flaues Gefühl im Magen. Was ist da los? Die Ursache für diese extreme Reaktion liegt in einer erhöhten Sensibilität der Geschmacks- und Geruchsnerven. Allerdings wird dadurch noch nicht wirklich erklärt, warum Geschmäcker und Gerüche, die du vorher gemocht hast, auf einmal Ekel auslösen.
In der Regel tritt Schwangerschaftsübelkeit ungefähr zwei Wochen nach dem Ausbleiben der Regel auf. Über Übelkeit klagen dabei im Durchschnitt acht von zehn Frauen. Vier von zehn Frauen müssen sich erbrechen. Zumeist beginnt dieser unangenehme Zustand morgens, nicht selten aber auch zu anderen Tageszeiten. Extreme Fälle, bei denen sich Frauen mehr als fünfmal pro Tag übergeben müssen und in der Folge auch mit Mangelernährung zu kämpfen haben, nennt man Hyperemesis gravidarum. Diese Form tritt bei circa zwei  Prozent der Schwangerschaften auf. Ebenfalls wichtig ist der Zeitpunkt, wann Übelkeit und Erbrechen auftreten. Wenn Übelkeit und Erbrechen erst nach der neunten Schwangerschaftswoche auftreten, handelt es sich ziemlich sicher um eine andere Erkrankung. 

Was der Körper dir sagen will

Nun aber zurück zu den Ursachen der Schwangerschaftsübelkeit. Du fragst dich sicher, warum dein Körper dich derart für die Empfängnis deines Kindes straft. Aber lass dir gesagt sein -  er meint es nicht so. Vielmehr möchte er dir etwas mitteilen und du solltest ihm gut zuhören.
Die medizinische Forschung spekuliert schon länger über einen evolutionären Sinn des Phänomens der Schwangerschaftsübelkeit. Eine mögliche Begründung ist die Auslegung als Warnsignal für Lebensmittel, die dem Embryo möglicherweise schaden und auf die du besser verzichten solltest. Erbrechen als Kommunikationsmittel des ungeborenen Kindes? Das klingt erstmal absurd, aber es gibt Studien, die diese Hypothese belegen. Denen zufolge haben Frauen, die in der Frühphase der Schwangerschaft unter Übelkeit und Erbrechen leiden, im weiteren Schwangerschaftsverlauf seltener Komplikationen und tragen darüber hinaus ein circa 50 bis 70 Prozent geringeres Risiko für einen ungewollten Schwangerschaftsabbruch. Somit wäre auch klar, warum die Lebensmittel, die du eigentlich magst, nun nicht mehr schmecken. Besser gesagt, sie schmecken deinem Baby einfach nicht. Du kannst das flaue Gefühl im Magen gewissermaßen als Warnsignal oder Schutzmechanismus interpretieren. Erbrechen ist zwar äußerst unangenehm, allerdings ist es in erster Linie ein Mechanismus des Körpers, um sich von Schadstoffen zu reinigen. “Tu das nicht wieder”, will er dir damit sagen. 

Dem Übel auf den Grund gehen

Bei der Schwangerschaftsübelkeit handelt es sich um ein individuelles Phänomen, das verschiedene Ursachen haben kann. Grundsätzlich ist die Reizbarkeit durch einen erhöhten Hormonspiegel in der Schwangerschaft viel höher. Unangenehme Gerüche werden, wie bereits erwähnt, viel stärker wahrgenommen. Die Schwelle zum Erbrechen ist dagegen viel niedriger, was das Baby ebenfalls schützen soll. Es gibt jedoch auch noch andere Faktoren, welche die Schwangerschaftsübelkeit begünstigen. Dazu zählen etwa Vitamin B-Mangel, Funktionsstörungen der Schilddrüse oder Infektionen des Magens. Grundsätzlich ist es so, dass der Magen-Darm-Trakt einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden hat. Jeder kennt wohl das Gefühl, wenn einem etwas auf den Magen schlägt. Dementsprechend wirken sich jegliche Art von Stress, Angst oder Überlastung auch auf den Magen aus und verstärken die Übelkeit. Mehr Informationen über die wichtigen Funktionen des Magen-Darm-Traktes findest du unter anderem hier (Link: “Hilfe, mein Baby hat Verstopfung). 

Was du tun kannst

Alles in allem sind die Ursachen und Ausprägungen der Übelkeit bei jeder Betroffenen etwas anders. Dennoch möchten wir dir einige bewährte Maßnahmen mit an die Hand geben, welche die Beschwerden lindern und außerdem einer Verstärkung der Symptome vorbeugen:

  • Häufig ist es verträglicher, über den Tag verteilt mehrere kleinere Mahlzeiten einzunehmen, statt wenigen großen Mahlzeiten.

  • Ein leichtes Frühstück in Form von Zwieback und Tee schon vor dem Aufstehen ist angenehm und leicht verdaulich.

  • Auf Nahrungsergänzungsmittel, wie zum Beispiel Vitaminpräparate, sollte verzichtet werden. Sie belasten den Magen.

  • Schlecht bekömmlich sind meistens Speisen, die stark gewürzt, sehr zuckerhaltig, fettig oder scharf sind. Gleiches gilt für kaffee- , säure- beziehungsweise kohlensäurehaltige Getränke.

  • Der intensive Geruch von Kaffee oder Fleisch wird häufig als unangenehm wahrgenommen. Was du nicht riechen kannst, solltest du vermeiden.

  • Sich zu zwingen, etwas zu sich zu nehmen, auf das der Körper offensichtlich ablehnend reagiert, ist generell nicht sinnvoll.

  • Insgesamt sollten mehr Kohlenhydrate aufgenommen werden als vor der Schwangerschaft. Das Baby braucht viel Energie.

  • Vorsicht gilt allgemein bei Fleisch und Eiern, da diese ein hohes Risiko für den Befall von Keimen und Erregern haben.

  • Frischer Ingwer hat sich als Hausmittel bewährt. Entweder ein Stückchen kauen oder als Tee aufbrühen. Ohnehin ist Ingwer sehr gesund und jedem zu empfehlen.  

  • Kompressionsstrümpfe tragen! Klingt absurd, aber es kann tatsächlich helfen. Warum Kompressionsstrümpfe helfen und was du beachten musst, erfährst du in diesem Artikel.

Wohl oder Übel

Alles in allem ist die Schwangerschaftsübelkeit Wohl und Übel zugleich. Der große Lichtblick dabei ist, dass die Übelkeit etwa ab der 13. Woche erheblich nachlässt. Trotz des beschriebenen positiven Effektes musst du aber auch nicht in Sorge verfallen, falls du zu den Frauen gehörst, bei denen keine Schwangerschaftsübelkeit auftritt. Denn das heißt nicht automatisch, dass bei dir ein höheres Risiko für Komplikationen besteht. Ohnehin sind viele Aspekte noch ungeklärt. So tritt die Extremform Hyperemesis vergleichsweise häufiger bei jungen, schlanken Nichtraucherinnen auf. Eine Gruppe, bei der normalerweise weniger Risiken auftreten. Im Gegensatz dazu sind die Risikogruppen der ehemaligen Raucherinnen, Übergewichtigen und über 35-Jährigen seltener betroffen. Genetische Faktoren haben dagegen mit der Übelkeit vermutlich weniger zu tun. Eher wird ein starker Zusammenhang mit dem Anstieg der Hormone Östrogen und hCG vermutet. Der hCG-Spiegel erreicht in der 11. Woche seinen Höhepunkt, woraufhin die Schwangerschaftsübelkeit dann meistens abnimmt und es im Magen wieder entspannter zugeht. 

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