Hilfe, mein Baby hat Verstopfung!

Es ist inzwischen mehrere Tage her, dass dein kleiner Schatz groß gemacht hat und du fängst langsam an dich zu fragen, ob das noch normal ist oder ob dein Baby vielleicht Verstopfung hat. Wir klären dich heute über das komplexe System der menschlichen Verdauung auf. 

Ein zweites Gehirn im Bauch

Die Liste der Sprichwörter reicht von Schmetterlingen im Bauch bis hin zu Dingen, die dir auf den Magen schlagen. Ein schlechtes Bauchgefühl kennt wohl auch jeder. Dank der medizinischen Forschung ist nun klar, dass es sich dabei nicht nur um gehaltlose Redewendungen handelt. Im Gegenteil, der Magen-Darm-Trakt hat sehr viel Einfluss auf unseren Körper und unser Wohlbefinden. Das sogenannte enterische Nervensystem erstreckt sich von der Speiseröhre bis zum Enddarm, und steuert den kompletten Funktionsablauf der Verdauung. Dabei sind ähnliche viele Nervenzellen im Einsatz, wie in unserem Gehirn. Die medizinische Forschung vermutet außerdem, dass der Magen-Darm-Trakt über die sogenannte Hirn-Bauch-Achse mit dem Gehirn verbunden ist und darüber ein bedeutender Informationsaustausch stattfindet. Bei Stress fließen negative Empfindungen vom Kopf in den Bauch und umgekehrt sorgt ein Unwohlsein im Bauch für eine Rückkopplung ans Gehirn, die wiederum für das besagte ungute Bauchgefühl sorgt.  

Verdauungstrakt in Ausbildung

Nun weißt du, wie überaus wichtig eine funktionierende Verdauung ist. Für Babys gilt das ganz besonders. Denn ihr Verdauungssystem ist noch im Training und muss sich erst noch entwickeln. Aus diesem Grund ist es sehr empfindlich und störungsanfällig. Die Ursachen für eine Verstopfung sind daher vielfältig. Du solltest achtsam sein, ob im Verdauungssystem deines Kindes alles mit rechten Dingen zugeht.
Wenn du vom Stillen auf das Fläschchen umsteigst, wird die Windel vermutlich zunächst weniger häufig gefüllt sein, als zu Muttermilchzeiten. Das ist absolut normal und ganz allgemein nimmt die Häufigkeit des Stuhlgangs mit zunehmendem Alter ab. Außerdem kann sich Farbe und Form des Stuhls auch mal stark verändern, je nachdem was es zu essen gab. Solange dein Kind Appetit hat, wächst und gedeiht, ist alles im grünen Bereich. Außerdem gibt es individuelle Unterschiede bei der Häufigkeit des Stuhlgangs. Es gibt Babys, die ihren Darm zwölf Mal am Tag entleeren. Es gibt aber ebenso Kinder, die nur dreimal in der Woche ihr großes Geschäft verrichten müssen. Die Häufigkeit allein ist also noch kein sicheres Indiz für eine Verstopfung. Oft kommt es vor allem auf das Alter und die damit einhergehende Ernährungsweise an. In den ersten Lebensmonaten ist eine Verstopfung bei Säuglingen eher untypisch, denn die Muttermilch ist für das Baby die optimale Nahrung und daher logischerweise auch gut verdaulich. Verstopfungen treten dagegen vielmehr in der Phase der Ernährungsumstellung auf. Harter Stuhlgang kommt meist mit dem Wechsel zur Breinahrung vor.  

Symptome und Ursachen

Wenn du dir Sorgen machst, dass dein Baby Verstopfung hat, dann solltest du folgende Anzeichen beachten: 

  • Trockener, harter und kugelförmiger Stuhl
  • Stuhl und Pupse haben einen ungewöhnlich starken, üblen Geruch
  • Dein Baby hat einen harten Bauch
  • Dein Baby schreit und weint, bevor es in die Windel macht
  • Dein Baby wirkt generell gereizt
  • Dein Baby ist appetitlos
  • Nur drei oder weniger volle Windeln pro bei Pre- oder Folgemilch


Eine Verstopfung entsteht dann, wenn der Stuhl sich zu langsam durch den Darm des Babys bewegt, der Darm zu viel Wasser aus der Nahrung absorbiert oder wenn die nötige Menge an Wasser nicht zur Verfügung steht. Dadurch werden die Speisereste hart, dicht und sammeln sich um den Darmausgang des Babys. Dort kann die zarte Babyhaut einreißen und Blutspuren in der Windel hinterlassen.

Ursachen für Verstopfung sind: 

  • Säuglingsnahrung: Pre- und Folgemilch sind zwar auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt, allerdings sind die schwerer zu verdauen als Muttermilch. Bei der Zubereitung der Fläschchen musst du sehr genau auf die richtige Dosierung achten, sonst kann der Stuhl deines Babys davon verklumpen.

  • Beikost: Die Umstellung auf Babybrei kann ebenfalls zu festen Stuhl verursachen. Die Verdauung deines Kindes muss sich erst daran gewöhnen, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Wichtig ist außerdem, dass zu den Mahlzeiten auch ausreichend Flüssigkeit aufgenommen wird. Am besten sind Wasser und ungesüßte Tees. Cola, Saft und Limo kommen nicht in Frage. Des Weiteren gibt es spezielle Beikostpläne, die dem Verdauungstrakt deines Kindes dabei helfen, sich umzustellen.

  • Dehydrierung: Wenn der Körper nicht genug Flüssigkeit hat, kann es zu Verstopfung kommen. Es ist also sehr wichtig, dass dein Kind genug trinkt. Ein Anzeichen für zu wenig Flüssigkeit ist, wenn die Fontanelle im Liegen deutlich sichtbar einfällt. 

  • Verletzungen: Hat dein Baby einmal Verstopfung, kann das zu kleinen Rissen und Wunden im Analbereich führen. Es kann sein, dass das Kleine versucht den Stuhlgang zurückzuhalten, um die Schmerzen zu vermeiden. Das begünstigt die Verstopfung zusätzlich.

Was du tun kannst

Es gibt einige Maßnahmen, die du bei einer Verstopfung ergreifen kannst. In jedem Fall ist es gut für Entspannung zu sorgen. Wiegen, ein warmes Bad und eine sanfte Bauchmassage fördern die Verdauung. Falls dein Baby das Fläschchen bekommt, kannst du dich für ein Produkt entscheiden, das den Stuhl weicher macht. Außerdem gibt es einige Nahrungsmittel, die die Verdauung wieder ankurbeln. Wichtig ist, dass sie viele Ballaststoffe und nicht zu viel Zucker enthalten. Geeignet sind: Broccoli, Birnen, Pfirsiche, geschälte Äpfel, gekochte Gerste, Hafer, Quinoa, Vollkornbrot, Haferkleie und probiotischer Joghurt. Nahrungsmittel, die du vermeiden solltest sind: Kakao, Schokolade und Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, Fastfood, Bananen, große Mengen an Karotten sowie Reis- oder Haferflocken. Sobald du das Gefühl hast, dass nichts so wirklich hilft und dein Baby leidet, solltest du schnellstmöglich den Kinderarzt/ die Kinderärztin deines Vertrauens aufsuchen.

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