Wehen - Was die verschiedenen Arten bedeuten

Ganz allgemein betrachtet sind Wehen Muskelkontraktionen, die den Geburtsprozess erleichtern. Wusstest du aber auch, dass es verschiedene Arten von Wehen gibt, die unterschiedliche Funktionen erfüllen? Welche das sind und was sie bedeuten, verraten wir dir jetzt. 

Wie Wehen funktionieren

Viele Frauen glauben, dass Wehen erst kurz vor, beziehungsweise während der Geburt auftreten. Das ist falsch, denn es ist gut möglich, dass du die ersten Wehen bereits sehr früh in der Schwangerschaft verspürst. Es handelt sich dabei um eine Art Trainingsprozess der Gebärmutter, die schon lange vor der Geburt beginnt, sich auf die Entbindung vorzubereiten. Beginnen wir aber zunächst mit der Funktionsweise von Wehen. Die Gebärmutter ist ein großer Muskel, der jedoch nicht wie zum Beispiel der Bizeps willkürlich angespannt werden kann. Sie zählt zur sogenannten glatten Muskulatur, deren charakteristisches Kennzeichen es ist, nicht aktiv kontrolliert werden zu können. Der Körper übernimmt die Steuerung dieser Muskeln automatisch. Wie genau das während der Wehen abläuft, ist bis jetzt aber immer noch nicht vollständig geklärt. Was allerdings bekannt ist, ist die Bedeutung des Hormons Oxytocin, das für die Wehentätigkeit von elementarer Wichtigkeit ist. Wenn es bei der Geburt nicht zu ausreichend starken Wehen kommt, wird eine synthetisch hergestellte Variante des Hormons verabreicht, um den Prozess voranzutreiben. Dieses Medikament heißt Syntocinon und wird auch Wehen-Tropf genannt. Interessanterweise ist der Wirkstoff auch in vielen Nasensprays enthalten, weshalb du dich bei der Verwendung dieser in der Schwangerschaft genau informieren solltest. 

Die verschiedenen Arten von Wehen

Der medizinischen Einteilung zufolge werden Wehen grundsätzlich in zwei Typen unterteilt. Die Schwangerschaftswehen und die Geburtswehen. Erstere sind für dein Baby und dessen Gesundheit ungefährlich -  allerdings können sich die sogenannten Frühwehen als Anzeichen einer Früh- oder Fehlgeburt herausstellen. Sie stellen somit einen Spezialfall dar, dazu aber später mehr. Der chronologische Verlauf der verschiedenen Arten von Wehen sieht folgendermaßen aus:

1. Übungswehen 

Sie werden auch Braxton-Hicks-Kontraktionen genannt und dienen vor allem dem Training für den Geburtsprozess. Dieser Wehentypus wird oft als wilde Wehen bezeichnet. Du wirst sie in der Schwangerschaft wahrscheinlich erstmalig zwischen der 20. Und 25. Woche bemerken, teilweise beginnen sie aber auch schon früher. Die Muskulatur der Gebärmutter zieht sich dabei für ungefähr 20 bis 60 Sekunden zusammen und du spürst möglicherweise, wie sich dein Bauch vorübergehend verhärtet. Die Übungswehen treten in einem unregelmäßigen Rhythmus auf und ebben danach langsam wieder ab. Schmerzen bereiten sie im Regelfall nicht und im Gegensatz zu den Geburtswehen, wird der Muttermund hierbei nicht gedehnt. Falls sie bei dir mehr als drei Mal in der Stunde und mit einer besonderen Heftigkeit auftreten, solltest du dies am besten mit deiner Gynäkologin/deinem Gynäkologen besprechen. 

2. Vorwehen

Einige Zeit später, circa ab der 36. Schwangerschaftswoche beginnt der Körper mit den Vorbereitungen für die Geburt. Die sogenannten Vorwehen sind deutlich spürbarer und äußern sich in einem starken Ziehen im Unterleib. Zudem gehen sie oft mit Schmerzen im Rücken- oder Leistenbereich einher. Der Bauch verhärtet sich ebenfalls und der stark vergrößerte Uterus samt deinem Baby drückt gewaltig auf die Blase, wodurch ein häufiger Harndrang entsteht. Sie kommen unregelmäßig, werden langsam schwächer und hören dann wieder komplett auf. Schmerzen verursachen sie aber normalerweise nicht. Von ihrem erstmaligen Auftreten bis zur Geburt kann es noch mehrere Wochen dauern. 

3. Senkwehen

Die grade beschriebenen Vorwehen gehen häufig unmittelbar direkt in die deutlich schmerzhafteren Senkwehen über. Dementsprechend treten sie in der Regel nicht vor Woche 36 der Schwangerschaft auf. Der Kopf deines Babys wird dabei nach unten in Richtung Becken gedrückt, damit dein Sprössling eine möglichst optimale Position für die Geburt hat. Sobald der Kopf erfolgreich in Richtung Becken bewegt wurde, wird dir das Atmen und das Essen wieder etwas leichter fallen. Allerdings kann es sein, dass du beim Sitzen den Druck des Kopfes auf den Beckenboden deutlich wahrnimmst. Falls die Senkwehen sehr stark sind, hilft ein warmes Bad. Außerdem gibt es spezielle Atemtechniken, die etwas Erleichterung versprechen. Bei Unsicherheit, ob es sich nicht möglicherweise um Frühwehen oder Geburtswehen handelt, sollest du besser deinen Arzt oder deine Ärztin hinzuziehen. 

4. Frühwehen

Die bereits erwähnten Frühwehen sind kein natürlicher Bestandteil des Schwangerschafts- beziehungsweise Geburtsprozesses, denn sie können dazu führen, dass die Geburt verfrüht eingeleitet wird und es zu einer Frühgeburt oder sogar zu einer Fehlgeburt kommt. Mögliche Anzeichen, die du beachten solltest, sind:

  • Mehr als drei Wehen in der Stunde vor der 36. Schwangerschaftswoche

  • Immer stärker werdende Wehenschmerzen

  • Die Abstände der Wehen werden immer kürzer

  • Die Wehen werden von wässrigem oder blutigem vaginalen Ausfluss begleitet und sorgen außerdem für starke Rückeschmerzen

Wenn du eines oder mehrere dieser Symptome bei dir entdeckst, solltest du dringend ärztlichen Rat einholen. Die Frühwehen sind ein deutliches Anzeichen dafür, dass der Körper mit der Schwangerschaft überlastet ist. Dies kann sowohl körperliche als auch psychische Ursachen haben und ist definitiv ein Grund, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Die Gabe von Magnesium sowie Ruhe und Erholung helfen gegen die Wehen. Im ungünstigsten Fall hilft aber nur noch die Aufnahme im Krankenhaus mit ärztlicher Rundumüberwachung inklusive der Verabreichung spezieller wehenhemmender Mittel, die die Geburt so lange wie möglich herauszögern. 

5. Eröffnungswehen

Eine gesund verlaufende Geburt startet mit den Eröffnungswehen. Sie sind eine klare Ankündigung der Geburt, wobei sich die Gebärmutter in immer kürzer werdenden Abständen und mit steigender Intensität zusammenzieht. Gleichzeitig öffnet sich der Muttermund auf circa zehn bis zwölf Zentimeter Durchmesser, damit das Baby hindurch passt. Anfangs kommen sie alle zehn Minuten, später dann in einem Intervall von etwa zwei Minuten. Ihre Dauer beträgt ein bis zwei Minuten, wobei sie sich aufbauen, einen Höhepunkt haben und dann wieder abflauen. Beginnen die Eröffnungswehen, heißt es Ruhe bewahren. Der Start ist noch kein Grund, überstürzt ins Krankenhaus zu fahren. Viel mehr gilt es nun Energie zu sparen und die letzten Vorbereitungen zu treffen. Sobald die Wehen aber eine Dauer von einer bis eineinhalb Minuten erreicht haben oder du deine Atmung nicht mehr kontrollieren kannst, solltest du aber umgehend in die Klinik. Wenn deine Fruchtblase platzt, musst du unabhängig der Wehen sofort in Krankenhaus. 

6. Presswehen

Die Presswehen sind Teil der sogenannten Austreibungsphase. Während du nun in sicherer Umgebung bist, ist die Geburt in vollem Gange und du wirst dem Drang zu pressen nicht mehr widerstehen können. Die Presswehen sorgen dafür, dass dein Baby in Richtung Ausgang der Vagina geschoben wird, welcher gleichzeitig die engste Stelle des Geburtskanals markiert. Sobald der kleine Kopf hindurchgeschoben wurde ist der heikelste Teil überstanden und einige Presswehen später ist auch der restliche Körper auf die Welt gebracht. Ein paar Augenblicke später, kannst du dein Kind das erste Mal in den Armen halten. 

7. Nachwehen

Mit Hilfe der Nachwehen wird die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, abgestoßen. Sie sind deutlich schwächer als die Geburtswehen und gleichen von der Intensität eher Menstruationsschmerzen. Ihre Dauer beträgt circa zehn bis 15 Minuten. Ist die Plazenta abgestoßen, kann die dadurch entstandene Wunde wieder heilen. Auch während des Stillens kann es nochmals zu Nachwehen kommen. Verantwortlich dafür ist das Oxytocin, das sowohl bei der Mutter-Kind-Bindung als auch beim Stillen eine wesentliche Rolle einnimmt. Die Produktion von Oxytocin wird das Saugen des Babys an der Brust gefördert und regt die Milchbildung an. Außerdem trägt es zu Rückbildung des Uterus bei und beugt dadurch Infektionen und Nachblutungen vor. Dabei kann es auch einige Tage nach der Geburt noch zu leichten Kontraktionen kommen.

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