Kreidezähne (MIH) - Die neue Volkskrankheit bei Kindern?

Jahrelang war Karies die größte Bedrohung für die empfindlichen Kinderzähne. Nun bahnt sich seit einigen Jahren allerdings eine neue Bedrohung für die Mundgesundheit an. Die Molare-Inzisive-Hypomineralisation (MIH), im Volksmund auch als Kreidezähne bekannt, ist eine neuartige Erkrankung, mit der du dich zum Wohle deines Kindes auf jeden Fall auseinandersetzen solltest. 

Was ist die MIH?

Es handelt sich um eine Erkrankung mit extrem unschönen Symptomen. Kaum haben sich die ersten Zähne ihren Weg im Mund an die Oberfläche gebahnt, fangen sie auch gleich an zu bröseln. Der Zahnschmelz ist brüchig und es kommt zu starken Schmerzen beim Essen und Trinken. Auch das Zähneputzen wird zu einer täglichen Tortur. Betrachtet man die Fallzahlen, so könnte es sich um eine kommende Volkskrankheit handeln, welche Eltern, Zahnärzt*innen, Krankenkassen und vor allem die jungen Betroffenen vor eine große Herausforderung stellen wird. In der Fachsprache werden die Backenzähne im Gebiss als Molaren bezeichnet. Sie sind kräftig und dienen dem Zermahlen der Nahrung. Molaris stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Mühlstein. Die Inzisiven sind die Schneidezähne und garantieren einen kräftigen Biss. Der erste Teil der MIH leitet sich folglich von den am häufigsten betroffenen Zahntypen ab. Die Hypomineralisation beschreibt das Krankheitsbild, bei dem es dazu kommt, dass der Zahnschmelz nicht ausreichend beziehungsweise fehlerhaft gebildet wird. Beim typischen Verlauf sind zumeist die ersten beiden bleibenden Backenzähne betroffen. Selbst wenn bei den Milchzähnen keinerlei Probleme aufgetreten sind, kann es bei den bleibenden Zähnen zur Erkrankung kommen, deren Ausmaß mitunter stark variieren kann. Erkennbar wird die MIH in weißen, gelblichen und braunen Verfärbungen der Zähne. Dabei können die Kauflächen, die Zahnhöcker und sogar die ganze Zahnkrone betroffen sein. Grundsätzliche gilt, je dunkler die Stelle, desto niedriger ist der Mineralgehalt des Zahns und desto schwächer ist folglich der Zahnschmelz ausgebildet. Diese Hypomineralisierung hat schwerwiegende Funktionsprobleme zur Folge und macht die Zähne weich und porös. Dadurch verlieren sie ihre mechanische Belastbarkeit und können im schlimmsten Fall beim Kauen abbröckeln oder abplatzen.

Wer ist betroffen?

Je stärker die Zähne betroffen sind, umso größer sind die Schmerzen. Das sogenannte Dentin liegt unterhalb des Schmelzes und ist ausgesprochen schmerz- und temperaturempfindlich. Chemische Reize, wie sie durch die Nahrung auf Mund und Zähne einwirken, werden dadurch problematisch. Insbesondere Süßes und Kaltes kann nur unter Schmerzen gegessen werden und auch das Zähneputzen ist unangenehm. Daraus resultierend verschlechtert sich die Zahngesundheit noch mehr. Kurios an der MIH ist, dass sie heutzutage, in Zeiten von eigentlich steigender Volksgesundheit und wachsendem Fortschritt, häufiger auftritt als früher. Weltweit erkranken jährlich über 17 Millionen Kinder und im Jahr 2015 litten insgesamt über 850 Millionen Menschen weltweit an der unangenehmen Krankheit. In Deutschland findet man eine MIH inzwischen bei circa 30 Prozent der Zwölfjährigen. Ob diesen alarmierenden Zahlen ein neues Phänomen zu Grunde liegt oder ob es nur zu lange unentdeckt geblieben ist, wurde noch nicht wirklich geklärt. Es gilt als möglich, dass Fälle von MIH früher häufig fälschlicherweise als Karies eingestuft wurden. 

Wie kommt es zur MIH?

Die Frage, ob man bei der Zahnpflege der Kinder Versäumnisse gemacht hat, liegt auf der Hand, wenn ein bräunlich verfärbter Backenzahn durchbricht. Doch es ist sehr wichtig zu wissen, dass mangelnde Zahnhygiene NICHT die Ursache für die MIH ist. Es handelt sich um eine Entwicklungsstörung des Zahnes. Folglich gilt es dort die Ursachen zu suchen. Ein Zahn besteht aus mehreren Schichten, wobei der Schmelz die äußerste und zugleich härteste ist. Die darunter liegende Schicht ist das bereits erwähnte Dentin. Bevor ein Zahn in den Mundraum vorstößt, wird er von den schmelzbildenden Zellen, den sogenannten Ameloblasten, mit Mineralkristallen überzogen. Geschieht dies nicht ordnungsgemäß, kommt es zur MIH. Besonders heikel daran ist, dass der Zahnschmelz nur einmal pro Zahn gebildet wird. Hat er erst einmal das Licht der Welt erblickt, so ziehen sich die schmelzbildenden Zellen unwiderruflich zurück. Die dunkle Färbung bei den betroffenen Zähnen entsteht dadurch, dass der Mangel an Mineralien unter anderem durch Proteine aus dem Blut ausgeglichen wird. 

Unklare Ursachenlage

Die Bildung des Zahnschmelzes ist ein ebenso komplizierter wie empfindlicher Prozess. Das korrekte Arbeiten der schmelzbildenden Zellen hängt von einer Vielzahl weiterer Vorgänge ab, dementsprechend groß ist auch die Anzahl an in Frage kommenden Ursachen. Der Grund für das Eintreten der MIH ist derzeit noch nicht vollständig geklärt. Dennoch gibt es eine Handvoll Hypothesen über die Ursachen der sogenannten Kreidezähne. Es wird davon ausgegangen, dass eine Unterversorgung mit Sauerstoff während und nach der Geburt, frühkindliche Infektionen der Atemwege und einen fehlerhaften Mineralstoffwechsel in Nieren und Darm Gründe für die MIH sein. Geforscht wird außerdem an antibiotikabedingter MIH. Des Weiteren wird der Weichmacher Bisphenol A als Auslöser in Betracht gezogen. Die Belastung mit Bisphenol A ist heutzutage enorm, da er unter anderem in Verpackungsmaterial verwendet wird. 95% der Bevölkerung weisen eine erhöhte Menge im Körper auf. Auch wenn bei diesen möglichen Optionen Vorsicht geboten ist, kann die Ursache schlussendlich auch eine völlig andere sein. Hier gilt es zunächst weitere seriöse Forschungsergebnisse abzuwarten. 

Wie kann MIH behandelt werden?

Anders als bei der Ursachenforschung gibt es in Punkto Therapie einige erprobte Möglichkeiten, die sich in ihrer Anwendung vor allem nach dem Schweregrad der MIH richten. Sind die Zähne nur leicht betroffen, sollten sie intensiv beobachtet und mit einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta unterstützt werden. Auch sollte regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung sowie eine Versiegelung mit Fluoridlack vorgenommen werden, da sich Kariesbakterien besonders gerne in den entstandenen Rillen und Furchen anheften. Bei fortgeschrittenem Krankheitsbild und bereits abgebrochenen Zähnen werden im Folgenden meist eine Stahlkrone und später eine Keramikkrone erforderlich. Sobald der Zahnnerv geschädigt wird, muss der Zahn gezogen und mit einem Implantat ersetzt werden. Alles in allem ist die Früherkennung der MIH von großer Bedeutung und beeinflusst den weiteren Verlauf maßgeblich. Auch wenn der Besuch beim Zahnarzt für die meisten Kinder kein Vergnügen ist, so kann durch frühes Handeln ein noch komplizierteres Verhältnis zum eigenen Gebiss verhindert werden. 

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