Digital oder doch lieber analog? - Wie Smartphones die Entwicklung von Kindern beeinflussen

Der Eintritt in das digitale Zeitalter hat der Menschheit einen großen Fortschritt beschert und erleichtert uns oft den Alltag. Es gibt praktisch keinen Wunsch, der nicht mit einer App erfüllt werden kann. Aber sind Smartphone und Tablet auch eine geeignete Beschäftigung für Babys und Kinder? Die Technologie ist noch so neu, dass es nur wenige langfristige Erkenntnisse darüber gibt. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Kindgerecht oder nicht?

Man muss kein(e) Wissenschaftler*in sein, um festzustellen, dass digitale Medien und insbesondere das Smartphone, ein enormes Suchtpotenzial haben. Ein Blick in die Bahn, ins Wartezimmer oder in den eigenen Bekanntenkreis genügt meist schon. Sind wir mal ehrlich - Menschen, die am Tag weniger als zwei bis drei Stunden am Handy verbringen, sind eine Ausnahme geworden. Was genau das mit uns macht, können wir meistens nur erahnen. Fakt ist, Apps wie Facebook, Instagram & Co. ziehen uns tief in ihren Bann. Auch in die Kindererziehung schleichen sie sich immer mehr ein. Schließlich ist es extrem schwierig, etwas aus dem Leben deines Kindes fernzuhalten, womit du dich selbst viel beschäftigst. Außerdem ist es ja so einfach und praktisch, nicht wahr? Bei dir gab es vielleicht auch schon Situationen, in denen du deinen kleinen Schatz mal kurz per Videoanruf sehen wolltest. Vielleicht warst du in anderen Momenten auch schon so gestresst, dass du dein Kind für ein paar Minuten mit einem kleinen Video oder einem digitalen Spiel beschäftigen wollest. Eine herrlich bequeme Lösung. Aber da muss es doch eine Haken geben, oder? Genauso ist es auch. Die Wahrnehmung eines Babys läuft auf Hochtouren und saugt jeden Reiz wie ein Schwamm auf, gleichzeitig ist sie hochsensibel. Während der Blick aufs Smartphone für uns zur absoluten Gewohnheit geworden ist, ist es für ein Kind immer noch ein sehr starker Reiz, der die Entwicklung maßgeblich steuert. 

Wie Babys die Welt sehen

Die Aussage, dass Smartphones Kindern nicht gut tun, hörst du bestimmt nicht zum ersten Mal. Viele Eltern fragen sich auch, was denn schon schlimmstenfalls passieren könnte. Es wäre ja nur ein kleiner Monitor, auf dem bewegte Bildchen flackern. Falsch gedacht! Das Problem an der Sache ist, dass Babys die digitale und die reale Welt noch nicht auseinander halten können. Das was sie auf dem Display sehen, übertragen sie in die echte Welt. Für ein junges Gehirn ist zunächst jeder Reiz real. Wenn beim Videotelefonat mit Oma und Opa plötzlich der Akku leer ist und der Bildschirm schwarz wird, weiß dein Kind nicht woran das liegt und denkt, die Großeltern wären tatsächlich weg. Es reagiert wütend oder traurig, weil es die Welt nicht mehr versteht. Was sich dabei genau in den Synapsen des Gehirns von Kindern abspielt, ist nur wenig erforscht. Der bisherige Stand der Erkenntnisse weist allerdings definitiv darauf hin, dass Babys ohne digitale Medien besser dran sind.

Die Studienlage

In der großangelegten BLIKK-Medienstudie aus dem Jahr 2017 zum Thema Medienkonsum- und -abhängigkeit von Kindern wurde nachgewiesen, wie gefährlich es für die Gesundheit und Entwicklung sein kann, wenn die Rezeption von Medieninhalten zu hoch ist. Bereits im Babyalter können sich Fütter- und Einschlafprobleme entwickeln, wenn die Eltern während der Betreuung parallel digitale Medien nutzen. Diese Tatsache wird auch als Beginn einer Bindungsstörung bezeichnet. Außerdem wurde festgestellt, dass überdurchschnittlich viele Kleinkinder bei einem hohen Medienkonsum Störungen in der Sprachentwicklung zeigen und im Grundschulalter Konzentrationsprobleme haben. Auch eine Studie aus Kanada gibt klare Hinweise darauf, dass schon 30 Minuten Bildschirm-Zeit das Risiko einer Sprachentwicklungsverzögerung um 50 Prozent erhöhen. Das direkte Berühren von Elementen auf dem Touchscreen entspricht zwar der kindlichen Art, die Welt zu erforschen. Bei häufiger Nutzung von digitalen Geräten kommt es aber zu einer reduzierten Sinneserfahrung, da die wirkliche Welt abwechslungsreicher und vielseitiger ist als der glatte Bildschirm des Gerätes. Spielen mit verschiedenen Materialien, mit Sand, mit Bauklötzen oder im Wald ist eben durch nichts zu ersetzen.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Ein gesunder Umgang mit Smartphone, Tablet & Co. beginnt bei dir selbst. Denn als Mama oder Papa bist du das wichtigste Vorbild für dein Kind. Kinder lernen, indem sie das Verhalten anderer beobachten. Insbesondere im Babyalter, wenn sie noch nicht in der Lage sind, abstrakte Gedanken zu entwickeln und zu hinterfragen, sondern häufig Gesehenes eins zu eins nachmachen. Eine gute Medienerziehung beginnt bei dir als Elternteil. Der erste Schritt dabei ist, deine eigenen Gewohnheiten einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Wenn dein Kind ab und zu ein Video oder Foto von sich selbst oder Familienmitgliedern auf dem Display sieht, ist der Effekt eher der eines Spiegelbildes. Selbst in die Hand nehmen sollte dein Kind das Smartphone aber nicht. Genauso wenig solltest du ständig vor seinen Augen mit dem Handy herumhantieren. 

Medienkompetenz erfordert Lebenskompetenz

Die Relevanz von Medienkompetenz wird aktuell heiß diskutiert, ebenso wie die Wichtigkeit von digitalen Fähigkeiten in der Schullaufbahn und vor allem im späteren Berufsleben. Den Kleinen einfach schon früh ein Smartphone in die Hand zu drücken, fördert diese allerdings keinesfalls. Spielzeughandys sind kurzfristig eine Alternative, allerdings haben bunte Lichter und Piepsgeräusche keinen besonders großen pädagogischen Wert. Das heranwachsende Gehirn braucht nichts mehr, als die Möglichkeit etwas zu lernen. Beobachten, Entdecken, Untersuchen, Riechen, Schmecken, Fühlen, Sprechen und Denken tragen mehr als alles andere zu einer guten Entwicklung bei. Digitale Medien sollten erst in einem fortgeschrittenen Alter und vor allem auch nur als Ergänzung zum analogen Leben stattfinden. Ob ein zweijähriges oder ein sechsjähriges Kind fernsieht, macht eben doch einen gewaltigen Unterschied. 

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