Eine Fehlgeburt verarbeiten

Es ist immer ein unglaublich schlimmer Moment, wenn es zu einer Fehlgeburt kommt. In sehr vielen Fällen passiert das unbemerkt, allerdings kommt es in 10 bis 15 Prozent der festgestellten Schwangerschaften ebenfalls zu einer Fehlgeburt. Je nach Ausgangssituation kann dieses Ereignis eine starke psychische Belastung sein. 

Die Nachricht ist ein Schock

Fehlgeburten passieren besonders zu Beginn einer Schwangerschaft. Für das Umfeld ist das allerdings nicht direkt erkennbar. Außerdem verschweigen manche Frauen die Schwangerschaft in den ersten Wochen ohnehin, da sie den kritischen Zeitpunkt für einen Abort, welcher meist in den ersten zwölf Wochen liegt, erst einmal abwarten wollen. Wie traumatisch der Verlust des ungeborenen Kindes sein kann, ist vielen Menschen nicht immer klar. Auch Freunde, Familie und Bekannte können die Trauer oft nicht immer nachvollziehen, vor allem wenn sie länger andauert. Viele fühlen sich auch einfach hilflos im Umgang mit der Betroffenen und wissen nicht, was sie tun können. Die mit der Fehlgeburt einhergehenden Emotionen sind außerdem sehr intim und häufig auch verwirrend. Schließlich beginnen die meisten Frauen, wenn sie von der eigenen Schwangerschaft erfahren, bereits eine Beziehung zum heranwachsenden Nachwuchs aufzubauen. Aus diesem Grund kann der Verlust eines Babys ein schwerer Schicksalsschlag sein. Das trifft besonders auf diejenigen zu, die sich unbedingt ein Kind wünschen und bereits vom Familienglück geträumt haben oder Paare, die lange auf den positiven Schwangerschaftstest warten mussten. Für sie ist die Nachricht ein Schock, der oftmals schwierig zu verarbeiten ist. 

Wie geht es danach weiter?

Die Gründe für eine Fehlgeburt können vielfältig sein und reichen von Stoffwechselstörungen bis hin zu anatomischen Fehlbildungen der Gebärmutter. Die häufigste Ursache ist jedoch eine Chromosomenmutation in den Genen des Babys. Abgesehen von einem ungesunden Lebensstil sind die meisten der Ursachen kaum zu beeinflussen. Trotzdem neigen viele Betroffene dazu, die Schuld bei sich selbst zu suchen und sich Vorwürfe zu machen. Die Suche nach Ursachen und Gründen ist eine urmenschliche Reaktionsweise. Schuldgefühle und die Frage, was mit dem eigenen Körper oder den weitergegeben Genen nicht in Ordnung sein könnte, kann betroffene Frauen in die tiefe Verzweiflung stürzen. Viele isolieren sich emotional und versuchen nach außen hin so zu tun, als sei alles in Ordnung. Eine sehr gefährliche Situation! Erschwerend hinzu kommt dann noch der anstehende Krankenhaustermin zur Ausschabung. Dabei wird die Gebärmutterschleimhaut operativ entfernt, damit keine Gewebereste zurückbleiben. Der Eingriff verbildlicht den Abort nochmals auf unschöne Art und Weise. Daher ist es wichtig, dass die betroffenen Frauen nicht allein gelassen werden und eine nahestehende Person als seelische Unterstützung dabei ist. Freundinnen und Bekannte, die während der Trauerphase selbst eine Schwangerschaft erleben, sollten außerdem verständnisvoll sein, wenn sich die Betroffene vorerst nicht aktiv für sie freuen kann. Schließlich bekommt die Betroffene gezeigt, was sie selbst hätte haben können. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie es anderen nicht gönnt. 

Trauern ist individuell

Generell ist es von großer Bedeutung, den seelischen Schmerz nicht zu verdrängen, sondern ihn zu verarbeiten. Ansonsten kann sich dieser in langfristigen psychischen Problemen manifestieren. Auch wenn es weh tut, sollte die Trauer zugelassen werden. Sich dabei völlig auf sich selbst zu verlassen, ist meist jedoch nicht richtige Weg. Im Gegenteil - für die Verarbeitung ist es essentiell, die eigenen Gefühle auszudrücken, mitzuteilen und darüber zu sprechen. Am besten funktioniert das mit Menschen, die mitfühlend, empathisch und vertrauenswürdig sind. Auch mögliche Schuldgefühle sollten dabei kein Tabuthema sein. Der Verlust des ungeborenen Kindes sollte auf jeden Fall nicht heruntergespielt werden. Nichtsdestotrotz trauert jeder Mensch auf seine eigene Art. Je nach Persönlichkeit und Einstellung läuft der Prozess unterschiedlich ab. Manchen Menschen reicht schon ein Gespräch, in dem sie erzählen können, wie es ihnen geht. Andere benötigen eine langfristige Therapie, da sie die Fehlgeburt als ein tiefes Trauma erleben, welches sogar in eine schwere Depression führen kann. Dazu kommt, dass die einen mit einer Fehlgeburt besser umgehen können, die anderen deutlich schlechter. Das familiäre und freundschaftliche Umfeld spielt dabei aber praktisch immer eine Rolle. Das Wissen mit dem Erlebten nicht allein zu sein, hilft ebenfalls vielen Betroffenen aus der Krise, daher kann der Austausch in Selbsthilfegruppen eine gute Option sein.

Bewusst Abschied nehmen kann helfen

Zur Überwindung der Trauer ist für viele Paare eine Beerdigung ein wichtiger Schritt. Es kann sich dabei um eine symbolische Sammelbestattung oder eine individuelle Bestattung handeln. Je nach Bestattungsrecht der Bundesländer gibt es hier unterschiedliche Möglichkeiten. Entscheidend ist dabei allerdings oft weniger die Form der Beisetzung, sondern das Ritual des Abschiednehmens. Das kann auch in anderer Form geschehen, wie etwa durch das Pflanzen eines Baumes, der dem nie geborenen Leben Ausdruck verleiht. 

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