Schwangerschaft - Eine Achterbahnfahrt für den Hormonhaushalt

„Hilfe, meine Hormone spielen verrückt“. Diesen Satz hört man von schwangeren Frauen häufig und vielleicht hast du ihn sogar selbst schon gesagt. Aber was genau passiert mit deinem Körper, das dich zu solchen Aussagen verleitet? Darüber wollen wir dich mit diesem Artikel aufklären. Keine Sorge, dein Körper tut keine verrückten Dinge. Im Gegenteil, er tut genau das Richtige damit es deinem Baby gut geht und während der Schwangerschaft keine Komplikationen auftreten.

Während unseres gesamten Lebens regulieren Hormone unseren Körper. Sie werden von speziellen Hormondrüsen in bestimmten Teilen des Körpers gebildet und durch das Gehirn reguliert. Vom Herzschlag bis zur guten Laune sind sie an nahezu allen Funktionen auf die eine oder andere Art beteiligt. Logisch, dass sie auch während der Schwangerschaft eine große Rolle spielen.
Während dein Baby neun Monate in deinem Bauch wächst, herrscht für deinen Körper ein physischer und emotionaler Ausnahmezustand, der besondere hormonelle Anpassungen erfordert. Dieser Prozess ist wirklich beeindrucken aber auch etwas kompliziert, deshalb gehen wir das Ganze einfach mal der Reihe nach an.

Der Eisprung, auch Follikelsprung oder Ovulation genannt, ist die grundsätzliche Voraussetzung für jede Schwangerschaft und wird in einem Zyklus von 28 Tagen vollzogen. Man kennt ihr auch als Menstruationszyklus. Dabei wird das follikelstimulierende Hormon (FSH), welches den Eisprung einleitet und das luteinisierende Hormon (LH), welches für die Bildung des Gelbkörpers sorgt und außerdem den Östrogenhaushalt reguliert, gebildet. Wenn du dich jetzt fragst was der Gelbkörper ist, keine Angst, darauf gehen wir später genauer ein.

Die Schwangerschaft beginnt, wenn es zu der Befruchtung einer Eizelle kommt. Gleichzeitig ist sie das Startsignal, um auf die neuen Bedingungen zu reagieren. Dein Körper weiß jetzt, dass er alles dafür tun muss damit du bestmöglich auf die kommenden Monate vorbereitet bist. Hierzu verwendet mit hauptsächlich drei Hormone, auf die wir dir jetzt etwas genauer erklären wollen. Wie du grade vielleicht schon gemerkt hast sind die Namen der Hormone leider ziemliche Zungenbrecher und nicht leicht zu merken, allerdings ist es sowieso erstmal wichtiger zu verstehen, was sie für eine Funktion haben. Los geht’s!

1. Humanes Choriongondotropin (hCG)

Humanes Choriongonadotropin, auch hCG genannt, ist der Täter, wenn es darum geht die typische morgendliche Übelkeit hervorzurufen. Außerdem wird der Nachweis von hCG im Urin für die handelsüblichen Schwangerschaftstests herangezogen. Natürlich hat es aber auch einen Nutzen für deinen Körper, denn HCG dient der Aufrechterhaltung der Schwangerschaft und löst die Produktion von Östrogenen und Progesteron im Gelbkörper aus (was die Beiden machen erfährst du gleich). Diese Aufgabe wird später von der Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, übernommen. In der Frühschwangerschaft verdoppelt sich ungefähr alle zwei Tage der hCG-Spiegel und am Ende des dritten Monats erreicht er den Höhepunkt. Ab dem vierten Monat sinkt er wieder ab, dann lässt auch die Übelkeit meistens nach.

2. Östrogene

Östrogene kommen bei allen Menschen während des gesamten Lebens vor, gelten aber als die weiblichen Hormone schlechthin, da sie Körper und Psyche der Frau maßgeblich prägen. Während der Schwangerschaft steigt die Ausschüttung stark an und erreicht zum Ende der Schwangerschaft den Höchststand. Die Produktion übernimmt dabei hauptsächlich die Plazenta, welche dadurch immer größer wird. Ein hoher Östrogenspiegel wird häufig mit Stimmungsschwankungen in Verbindung gebracht, allerdings sorgt er auch für viele positive Effekte. Deine Durchblutung verbessert sich und sorgt für rosige Haut, dein Kreislauf kommt in Schwung und dein Haar wird voluminös und kräftig.

3. Progesteron

Progesteron ist das dritte charakteristische Schwangerschaftshormon. Es wird anfangs im Gelbkörper und später dann von der Plazenta gebildet. Die Ausschüttung steigt während Schwangerschaft um das zehnfache an und hat ebenfalls weitrechende Konsequenzen für deinen Körper und dein Wohlbefinden, wie etwa dem Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, Wachstum von Brust und Becken sowie der Vorbereitung auf die Milchbildung. Dein Körper muss also viel Arbeit leisten, daher ist es nicht überraschen, dass es so mache Nebenwirkung gibt. Verdauungsstörungen, Verstopfung, Sodbrennen und häufiger Harndrang zählen dazu. Zum Glück sorgt Progesteron auch für Entspannung. Es macht dich müde und weckt in dir den Wunsch dich zu auszuruhen. Das ist völlig normal, also kannst du deinem permanenten Schlafbedürfnis ruhig nachgeben.

So, jetzt weißt du über die wichtigsten Hormone schonmal Bescheid. Ab dem dritten Trimester kommen aber noch ein paar weitere dazu. Auch die möchten wir dir noch kurz vorstellen:

  • Relaxin trägt, wie der Name schon sagt, zur Entspannung bei, allerdings nicht für deinen Kopf, sondern für deine Gelenke und Bändern. Es dient dem Zweck dich langsam auf dich Wehen vorzubereiten.

  • Ebenfalls im dritten Trimester und auch noch nach der Schwangerschaft beginnt Oxytocin eine größere Rolle zu spielen. Oxytocin fördert die Bindung zwischen dir und deinem Baby und sorgt dafür, dass sich eure Beziehung sich liebevoll und vertraut anfühlt. Außerdem regt es den Milchfluss während des Stillens an.

  • Ähnlich ist auch die Wirkung von Prolaktin, denn es ist für die Produktion der Mutternmilch verantwortlich und verschafft dir ein positives und freudiges Gefühl.

Geschafft, das war es zu den Hormonen in der Schwangerschaft. Beim Lesen des Artikels ist dir sicher klargeworden, dass viele Vorgänge, die dabei ablaufen nur schwer vorstellbar sind. Wenn man darüber nachdenkt, ist das aber eigentlich nicht überraschend, schließlich ist die Geburt eines Kindes und der Weg dorthin ein wahres Wunder. Durch unsere Erklärungen findest du das alles jetzt vielleicht etwas weniger verrückt aber hoffentlich immer noch genau so faszinierend wie wir.

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