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26.05.2021
Entwicklung

Blinzeln, Zucken, Schütteln - Hat dein Kind einen Tic entwickelt?

Als aufmerksamer Elternteil beobachtest du das Verhalten deines Sprösslings natürlich sehr genau und jede kleine Veränderung fällt dir schnell ins Auge. Meistens sind es neu erlernte Fähigkeiten, die gerne begutachtet werden. Aber vielleicht ist dir in letzter Zeit ein merkwürdiges Handlungsmuster aufgefallen und du fragst dich, ob dein Kind einen Tic entwickelt hat.

Was genau ist ein Tic?

Wir alle kennen eigenartige Verhaltensweisen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsen. Von einem Tic spricht man, wenn der oder die Betroffene keine Kontrolle darüber hat und die Aktion somit unwillkürlich abläuft. Per Definition ist ein Tic eine in regelmäßigen oder auch unregelmäßigen Abständen auftretende Kontraktion von bestimmten Muskeln oder sogar ganzen Muskelgruppen, die den Mitmenschen häufig als heftige und plötzliche Bewegung oder als spontane Lautäußerung auffällt. Es kann sein, dass der Tic nur wenige Male am Tag auftritt, in stärkeren Fällen jedoch auch alle paar Minuten. Ehrlicherweise sind sie für andere oft eher störend und ist dein Kind betroffen, so möchtest du am liebsten, dass es damit aufhört. Doch leider funktionieren Tics so nicht. Zwar gibt es Berichte von Betroffenen, die spüren, wenn sich der Tic anbahnt. Ihn kontrollieren können sie allerdings nicht - Kindern am aller wenigsten. 

Welche Arten von Tics gibt es?

Grundsätzlich werden Tics in motorische, also alles was eine Bewegung darstellt, und in vokale Tics, die sich durch Laute oder Geräusche äußern, eingeteilt. Häufig spielt sich das Geschehen dabei im Kopf- und Gesichtsbereich ab. Dabei gibt es folgende Arten:

Einfache motorische Tics:

Beispiele sind Augenblinzeln, ruckartige Kopfbewegungen, Schulterzucken, Grimassen ziehen oder Hochziehen der Augenbrauen.

Komplexe motorische Tics:

Dazu zählen Springen, Berühren von Gegenständen oder Menschen, Drehungen oder sogar selbstverletzendes Verhalten.

Einfache vokale Tics:

Damit ist Räuspern, Schnalzen mit der Zunge, Hüsteln, Schmatzen, Grunzen oder Schniefen gemeint. 

Komplexe vokale Tics:

Beispiele dafür sind plötzliches Sprechen von zusammenhanglosen Wörtern oder ganzen Sätzen, Wiederholung beziehungsweise Nachplappern von Gehörtem oder das Wiederholen von eigenen Wörtern oder Sätzen.  

An dieser Stelle muss natürlich erwähnt werden, dass Wiederholungen von Bewegungen oder Nachplappern im Kleinkindalter vollkommen normal sind und dem Erlernen und Üben von Sprache und dem Training der Motorik dienen. 

In welchem Alter können Tics auftreten?

Am häufigsten von Tics betroffen sind Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. In den meisten Fällen treten einfache motorische Tics auf. In der Regel ist der Verlauf harmlos und der Tic verschwindet spätestens nach einem Jahr wieder. Auch im Kleinkindalter kommen Tics häufig vor. Dabei ist es auffällig oft so, dass der Tic in einer Phase des Umbruchs, wie beispielsweise beim Start der Kindergartenzeit oder bei einem Umzug, beginnt, weil dadurch das Stresslevel des Kindes ansteigt und es häufig nervös ist. Auch bei Babys kommt es vor, dass die Eltern meinen, einen Tic bei ihrem Nachwuchs entdeckt zu haben - und das kann durchaus der Fall sein. Dabei handelt es sich meistens um ein plötzliches Zucken mit den Schultern oder ein Schütteln des Körpers. Nichtsdestotrotz sind die Tics in allen Altersklassen jedoch ungefährlich. Ein Schütteln bei Babys kann in außergewöhnlich unglücklich Situationen zu einem Sturz vom Wickeltisch oder Ähnlichem führen, daher solltest du in diesem Falle trotzdem wachsam sein. 

Wie entsteht ein Tic?

Die genaue Entstehungsweise von Tics ist bisher nicht geklärt, jedoch wird eine vorübergehende Störung des Nervensystems vermutet. Gehirn und Nervenbahnen sind bei Kindern noch in der Entwicklung, dementsprechend liegt es nah, dass Tics im Kindesalter auftreten können. Nervenbahnen und ihre Neurotransmitter sind im permanenten Wachstum und haben daher noch keine Balance. Folglich ist es auch nicht überraschend, dass Tics eine hohe Vererbbarkeit haben. Aus medizinischer Sicht ist in erster Linie die Abgrenzung der harmlosen Tics von schlimmeren Erkrankungen wie Epilepsie oder Zwangsverhalten wichtig. Hierbei kann es hilfreich sein, ein kleines Handyvideo von dem auffälligen Verhalten aufzunehmen und dem Arzt bzw. der Ärztin vorzuspielen. (Das erleichtert die erste Diagnose. Obwohl die meisten Tics ungefährlich, teilweise sogar unbemerkt, bleiben, gibt es nichtsdestotrotz Fälle, in denen das Kind darunter leidet. Eine Spiel- oder Verhaltenstherapie kann dann hilfreich sein. 

Wie kannst du dein Kind unterstützen

Besagte Fälle, in denen ein Leidensdruck entsteht, kommen vor, wenn Kinder im Kindergarten oder in der Schule wegen ihres Tics ausgeschlossen oder gemobbt werden. Außerdem lösen solche Situationen Stress aus, was eine zusätzliche Reizung des Nervensystems und der Psyche bedeutet und Tics nachgewiesenermaßen verstärken kann. Gleiches gilt für Stress, der durch Eltern, die den Mechanismus des Tics nicht verstehen und ihr Kind ausschimpfen und ermahnen, entstehen kann. Hat dein Kind einen Tic, so ist es nicht in der Lage ihn zu kontrollieren und kann ihn somit auch nicht abstellen. Du solltest deinen Sprössling also einfach so akzeptieren wie er ist und den Tic nicht als etwas Unnormales betrachten. Schenke dem Verhalten nicht unnötig viel Aufmerksamkeit und versuche Stresssituationen zu vermeiden. Auch in Phasen, in denen sich der Tic sehr stark bemerkbar macht, solltest du mit deinem Nachwuchs gelassen und liebevoll umgehen.

Marlene
Marlene