Wie im Notfall helfen? So leistest du bei deinem Baby richtige Erste Hilfe

Viele Eltern fürchten diesen Fall am meisten:  Einen akuten Notfall oder eine Verletzung, die Leib und Leben des Säuglings in Gefahr bringt. Tritt dieser Fall ein, können fundierte Erste-Hilfe-Kenntnisse das Leben deines Sprösslings retten. Du solltest daher unbedingt die nachfolgenden Sachverhalte verinnerlichen, um im Notfall auch selbst schnell Erste-Hilfe leisten zu können.

Die wichtigsten Fakten zur Ersten Hilfe bei Babys und Säuglingen

  • Zu den häufigsten Notfällen bei Kleinkindern und Babys gehört die akute Erstickungsgefahr. Eigne dir den Sandwichgriff an, um deinem Sprössling schnell zu helfen.

  • Beachte, dass du dein Baby auf andere Weise reanimieren musst als einen Erwachsenen. Hierbei sind besondere Maßnahmen notwendig.

  • Ist dein Kind bewusstlos, musst du es in die Bauchlage, nicht in die stabile Seitenlage legen.

  • Kopfverletzungen machen es nötig, dein Kind bis zu 24 Stunden zu beobachten, damit du Hirnverletzungen ausschließen kannst.

  • Starke Blutungen müssen umgehend behandelt und gestoppt werden.

Allgemeines: Im Notfall richtig reagieren

Zunächst einmal ist es zwingend erforderlich, dass du ruhig bleibst! Sofern sich dein Baby verletzt und du in blinde Panik gerätst, überträgt sich die Unruhe automatisch auf dein Kind. Hierbei solltest du jedoch unterscheiden, ob es sich um keine lebensbedrohliche oder um eine lebensbedrohliche Situation handelt. Beide Situationen machen unterschiedliche Vorgehensweisen erforderlich.

Es liegt keine lebensbedrohliche Situation vor

Zunächst solltest du entweder den Kinderarzt oder den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der bundesweit identischen Telefonnummer 116 117 anrufen. Frage ganz direkt um Rat, ob es sinnvoll erscheint, in die Notaufnahme einer Klinik zu fahren. Erfrage außerdem, wo die nächstgelegene offene Bereitschaftspraxis ist.

Es liegt eine lebensbedrohliche Situation vor

Anders ist der Fall gelagert, wenn eine akut lebensbedrohliche Situation besteht. Hierbei bewährt sich die sogenannte Dreierkette, um deinem Baby schnell zu helfen:

  1. Leite lebensrettende Maßnahmen ein und schütze dabei dein und das Leben deines Säuglings bestmöglich. Entferne das Kind und dich selbst unverzüglich von der Gefahrenstelle. Anschließend leitest du die Erstversorgung ein. Falls eine Blutung auftritt, muss diese gestillt werden. Überprüfe sofort die Vitalfunktionen deines Babys.

  2. Setze jetzt einen Notruf ab und kontaktiere den Rettungsdienst. Sofern dein Baby bewusstlos ist, wird dir die Leitstelle genaue Anweisungen geben, wie du es richtig beatmen und ggf. wiederbeleben kannst. Achte auch darauf, den Rettungskräften alle wichtigen Informationen zur Situation zu erklären: Die Art der Verletzung, die Unfallursache, die Personenzahl sowie Angaben zu bereits bestehenden Erkrankungen. Nur so können sich die Ersthelfer vollumfänglich auf ihren Einsatz vorbereiten.

  3. Im letzten Schritt gilt es, sich intensiv um dein verletztes Kind zu kümmern. Sofern du nichts weiter tun kannst, solltest du ihm trotzdem signalisieren, dass du an seiner Seite stehst. 

Erste Hilfe bei Ersticken leisten

Kleinkinder und auch Babys nehmen gerne alles erdenklich mögliche in den Mund. Sicherlich tust auch du alles dafür, damit dein Säugling keine verschluckbaren Kleinteile in den Mund nimmt. Doch insbesondere, wenn das Kind mit anderen (älteren) Kindern zusammen ist, lässt sich solch ein Notfall nicht gänzlich verhindern. Sofern dein Baby hustet, solltest du zunächst einige Sekunden abwarten, ob es den Fremdkörper wieder ausspuckt. Ist dies nicht der Fall und dein Baby verstummt, musst du sofort und ohne jede Verzögerung eingreifen. Denn sobald das Gehirn des Kindes länger als eine Minute unterversorgt ist, entstehen schwere Schäden bis hin zu Koma und Tod.

Um deinem Baby sehr schnell zu helfen, kannst du den Sandwichgriff anwenden. Gehe hierbei folgendermaßen vor, um den Fremdkörper rasch herauszuholen:

  1. Lege das Baby mit dem Bauch auf den Schoß oder den Unterarm. Schlage fünf Mal fest mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter, damit sich der Gegenstand löst. Bist du erfolgreich, hustet dein Kind den Gegenstand aus.

  2. Sollte das nicht funktionieren, lege dein Kind behutsam auf den Rücken und stütze seinen Kopf. Drücke nun ebenfalls fünf Mal mit zwei Fingern unterhalb der Brustwarzen in die Mitte des Brustkorbs. Der nachfolgende Luftstoß sollte dabei helfen, den Fremdkörper aus der Luftröhre zu befördern.

  3. Falls dies nichts nützt und du noch zwei weitere Male mit dem Sandwichgriff scheiterst, solltest du den Notruf absetzen.

Erste Hilfe bei Kopfverletzungen und Gehirnerschütterungen leisten

Da Babys noch einen anderen Körperschwerpunkt als Erwachsene haben, fallen sie häufig auf den Kopf. Am meisten passiert es, dass ein Baby entweder aus dem Bett oder vom Wickeltisch fällt. Gefühlt gleicht dieser Unfall einem Sturz aus dem ersten Stock. Du solltest daher immer nach den Erste-Hilfe-Maßnahmen einen Arzt aufsuchen!

So behandelst du oberflächliche Kopfverletzungen

Bei oberflächlichen Verletzungen reicht es, diese mit einem in einer Mullbinde eingewickeltem Kühlpack zu behandeln. Platzwunden sind ebenfalls nicht dramatisch, sollten aber bei Kleinkindern immer ärztlich behandelt werden.

Schädelverletzugen behandeln

Ein richtiger Schädelbruch kann offen oder geschlossen vorliegen. Du erkennest ihn daran, dass dein Baby laut und schrill schreit. Auch kann eine Schwellung am Kopf auftreten. Fahr sofort ins Krankenhaus oder verständige umgehend den Notarzt!

Richtig mit Gehirnerschütterungen umgehen

Eine Gehirnerschütterung ist die häufigste Folge einer Kopfverletzung. Sie macht sich – auch bei Säuglingen und Neugeborenen – mit Wesensveränderungen, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, Nackenschmerzen, geweiteten Pupillen, Müdigkeit und starken Kopfschmerzen bemerkbar. Konsultiere zunächst umgehend deinen Kinderarzt, damit er die Vermutung bestätigen oder widerlegen kann. Bei positiver Diagnose darf dein Baby für einige Tage nicht mehr krabbeln oder sich viel bewegen. Auch solltest du es weitgehend von allen äußerlichen Reizen abschirmen und in einem abgedunkelten Raum unterbringen.

Erste Hilfe bei Verätzungen, Verbrennungen und Verbrühungen

Zu den lebensbedrohlichen Notfällen können auch Verbrennungen und Verätzungen zählen. Besonders im ersten und zweiten Lebensjahr laufen Kleinkinder und Babys Gefahr, ausversehen Verbrennungen oder Verätzungen zu erleiden. Du kannst diese vermeiden, indem du beispielsweise heiße Getränke nie am Tisch- oder Schrankende aufstellst, keine Kabel herumliegen lässt oder ein Herdgitter anbringst. Kommt es entgegen aller Vorsichtmaßnahmen doch zu einem Unfall, solltest du schnell und richtig handeln.

  • Bei offenem, unkontrollierbarem Feuer bringst du deinen Nachwuchs zunächst schnell außerhalb der Gefahrenzone. Alarmiere die Feuerwehr und leiste Erste Hilfe. Kühle die verbrannten Hautstellen mit kaltem Wasser, bis die Rettungskräfte eintreffen. Decke die Ätz- und Brandwunden nach der Erstversorgung mit einem sterilen Verband ab.

  • Verätzte Augen solltest du umgehend für mindestens 15 bis 20 Minuten mit Wasser ausspülen.

  • Brandblasen solltest du niemals, aber auch niemals alleine öffnen, da es sonst zu Infektionen kommen kann. Suche stattdessen fachärztliche Betreuung auf.

  • Bei Verbrennungen ab Handtellergröße oder ab acht Prozent verbrannter Haut besteht bei deinem Kind akute Lebensgefahr!

  • Hat sich dein Kind an einer heißen Flüssigkeit verbrüht, musst du die Kleidung schnellstmöglich entfernen. Eingebrannte Kleidung darfst du nicht entfernen, da die Haut ansonsten abgerissen wird!

  • Achte darauf, dass dein Baby nicht auskühlt. Wickle es in eine Rettungsdecke ein.

  • Großflächige Verletzungen sowie Verletzungen am Rumpf darfst du nicht kühlen.

Erste Hilfe bei Vergiftungen

Falls dein Baby gerne auf Erkundungstour geht, kommt es unter Umständen mit gefährlichen Substanzen in Kontakt. Im schlimmsten Fall kann dein Säugling dadurch eine lebensbedrohliche Vergiftung bekommen. Viele Vergiftungen entstehen unnötigerweise, da Erwachsene potentielle Gefahrenquellen im Alltag übersehen. Dazu gehören beispielsweise Reinigungsmittel, Kosmetika, Seifen, Medikamente, Zigaretten oder alkoholische Getränke. Aber auch giftige Gartenpflanzen wie Tollkirschen, Efeu, Fingerhut oder Maiglöckchen können deinem Nachwuchs schwer schaden.

Als körperliche Reaktion weisen Durchfall oder Erbrechen, Kopf- und Bauchschmerzen, Schwindel oder Verwirrtheit auf eine Vergiftung hin. Liegt eine schwere toxische Reaktion vor, beginnt dein Kind zu zittern, bekommt einen Schockzustand und wird bewusstlos. Bei jedem Verdacht auf eine mögliche Vergiftung solltest du sofortige Hilfe leisten. Verständige umgehend den Notarzt oder, falls du in der Nähe wohnst, eine der deutschlandweit ansässigen Giftnotrufzentralen.

Als sofortige Erste-Hilfe-Maßnahme solltest du darauf achten, dass dein Liebling Erbrochenes nicht wieder verschluckt. Achte genau auf die Anweisungen der Giftnotrufzentrale. Eventuell kannst du über den Mund aufgenommene Substanzen mit Wasser – keinesfalls mit Milch – verdünnen. Bei eingeatmeten Giften kann Sauerstoff an der frischen Luft helfen. Bei über die Haut aufgenommenen Giften solltest du versuchen, die betroffene Hautstelle auszuwaschen.

Wiederbelebung (Reanimation) bei Babys oder Säuglingen einleiten

Dieses Szenario mag sich niemand vorstellen, und doch kann es schlimmstenfalls passieren: das Baby oder Kleinkind verliert das Bewusstsein und hört auf zu atmen. Hierbei musst du zunächst überprüfen, ob das Herz deines Babys noch schlägt. Setz einen leichten Schmerzreiz am Oberarm, aber schüttle dein Baby niemals. Versuche nun, Atemgeräusche festzustellen, indem du das Kinn des Babys leicht anhebst und so „die Atemwege öffnest“. Falls du unsicher bist oder keine Atmung wahrnimmst, beginne sofort mit der Beatmung und gehe folgendermaßen vor:

  1. Atme normal ein und halte den Kopf deines Babys in Position.

  2. Umschließe mit deinem Mund vollständig Mund und Nase deines Lieblings.

  3. Atme nun sanft fünf Mal ein und beobachte, ob sich der Brustkorb deines Babys hebt und senkt.

  4. Falls du nun kein Lebenszeichnen wahrnimmst, musst du umgehend mit der Herzdruckmassage beginnen.

Herzmassage beim Säugling durchführen

Lege dein Baby auf einen flachen und harten Untergrund, beispielsweise auf einen Tisch. Nun musst du rasch den richtigen Druckpunkt in der Mitte des Brustbeins finden. Übe nun mit zwei Fingern ca. 2-3 cm tief Druck auf die Stelle aus. Drücke 30 Mal bei einer Frequenz von 120 Schlägen pro Minute, also zwei Kompressionen pro Sekunde. Versuche bitte, nicht zu zaghaft vorzugehen. Nach 30 Kompressionen sollten zwei Beatmungen erfolgen. Sofern dein Partner oder eine weitere Person anwesend ist, sollte einer die Beatmung und der andere die Herzdruckmassage übernehmen. Fahre solange damit fort, bis das Herz deines Babys wieder schlägt oder der Notarzt eintrifft.

Fazit zu Erste Hilfe Maßnahmen

Wie du siehst, kann fundiertes Wissen im Notfall über Leben und Tod entscheiden. Es ist keine schlechte Idee, wenn du über diesen Ratgeber hinaus spezielle Erste-Hilfe-Kurse für Eltern besuchst, um auch in der Praxis den Ernstfall zu üben. Beziehe unbedingt auch weitere Personen wie Großeltern oder Babysitter ein, welche dein Kind regelmäßig für längere Zeit alleine betreuen.

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