Nachtschreck: Ein seltsames Phänomen bei Kindern

Wenn du ihn selbst schon einmal bei deinem Kind erlebt hast, weißt du, dass es ein ziemlich schauderhafter Anblick sein kann, wenn dein Sprössling am sogenannten Nachtschreck oder Nachtterror leidet. Mitten in der Nacht steht ihm die die blanke Angst und Panik ins Gesicht geschrieben und es ist schweißnass. Was steckt hinter diesem seltsamen Phänomen?

Was ist der Nachtschreck?

In medizinischer Fachsprache nennt er sich Pavor nocturnus, manchmal wird er auch als Nachtterror bezeichnet. Dahinter verbirgt sich nicht etwa eine Gruselgestalt, sondern eine ungewöhnliche Reaktion des Körpers im Schlaf. Es handelt sich dabei um eine Verhaltensauffälligkeit aus der Kategorie der Parasomnie, zu der auch andere Muster, wie Schlafwandeln oder Sprechen im Schlaf zählen. Er zählt zwar zu den Schlafstörungen, beeinträchtigt die Erholsamkeit des Schlafs deines Kindes aber nicht wirklich. Pavor nocturnus bedeutet übersetzt nächtliche Angst und genau das ist das, was deinem Nachwuchs in der Nacht widerfährt. Vor allem in den ersten vier Stunden nach dem Einschlafen tritt er auf. Dabei lässt eine plötzlich auftretende Angst deinen Sprössling aufschrecken und er beginnt zu wimmern und zu keuchen oder sogar laut zu schreien und um sich zu schlagen. Die Herzfrequenz steigt und es beginnt zu schwitzen. Manchmal richten sich die betroffenen Kinder auch auf und sitzen plötzlich aufrecht im Bett. Häufig sind auch die Augen weit aufgerissen. Faszinierend ist, dass dein Kind dabei nicht wirklich aufwacht, sondern sich in einer Art Zwischenzustand aus Schlaf und Wachheit befindet. Aus diesem Grund ist dein Kind auch nicht ansprechbar. Es wird sich am nächsten Tag nicht an das erinnern können, was in der Nacht passiert ist. Allerdings kann der Anblick für dich als Elternteil einen schockierenden Eindruck hinterlassen und du fragst dich, ob etwas nicht stimmt. Die ganze Prozedur dauert ungefähr 10 bis 15 Minuten.  Danach schlafen die meisten Kinder völlig ungestört weiter. Atmung und Puls beruhigen sich dann wieder. 

Wo liegen die Ursachen?

Wie gesagt, der Nachtschreck ist aus gesundheitlicher Sicht nicht bedenklich. Du brauchst also in den meisten Fällen keine Angst haben, dass etwas Schlimmeres dahintersteckt. Interessant dabei ist jedoch, dass das Phänomen noch relativ wenig erforscht und der genaue Mechanismus dahinter ungeklärt ist. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass der Prozess des Übergangs vom Tiefschlaf in den Traumschlaf bei betroffenen Kindern gestört ist. Ursächlich dafür ist meistens keine Krankheit, sondern das heranwachsende Nervensystem, welches diese Aufgabe noch nicht vollständig erledigen kann. Dementsprechend ist es in den meisten Fällen so, dass der Nachtschreck mit zunehmendem Alter einfach wieder verschwindet, sobald sich das Nervensystem ausreichend entwickelt hat. Dennoch gibt es bestimmte Faktoren, die das Auftreten des Nachtterrors begünstigen können. Zum einen kann es sein, dass schlichtweg eine genetische Veranlagung für diese sonderbare Erscheinung vorliegt. Zum anderen spielen auch Umwelteinflüsse eine Rolle. Damit sind in erster Linie starke Reize gemeint, die bei deinem Kind Stress auslösen können. Dazu zählen sowohl psychische Stressoren, wie zum Beispiel ein plötzlicher Wechsel von der vertrauten in eine neue Umgebung -  beispielsweise durch einen Umzug als auch körperliche Belastungen, wie etwa zu wenig Schlaf, Fieber oder bestimmte Medikamente. Anders als bei Alpträumen treten beim Nachtterror keine Träume auf, weil die Traumphase nicht erreicht wird. Gut möglich ist allerdings ein gleichzeitiges Auftreten von Schlafwandeln. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 50 Prozent. 

Wer ist vom Nachtschreck betroffen?

Tatsächlich tritt der Nachtschreck statistisch betrachtet häufiger auf, als du vielleicht dachtest. Ungefähr 20 Prozent aller Kinder machen Bekanntschaft mit ihm, allerdings bleibt es meist bei vereinzelten Vorfällen. Regelmäßig tritt er bei nur rund fünf Prozent auf. Dabei gibt es einen Zeitraum der besonderen Empfänglichkeit für den Nachtterror. Dieser liegt etwa im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Innerhalb dieses Intervalls liegt oftmals der Zeitpunkt rund um die Einschulung, der das Phänomen hervorruft, da es sich dabei um ein als besonders intensiv erlebtes Ereignis handelt. Am stärksten betroffen sind allerdings 3 bis 5-jährige Kinder. Des Weiteren kann der Nachtschreck in seltenen Fällen auch im Babyalter auftreten. Bei Jugendlichen und Erwachsenen tritt er nur in absoluten Ausnahmefällen auf. Bezüglich des Geschlechterverhältnisses sind keine eklatanten Unterschiede festzustellen, obwohl es eine minimale Tendenz in Richtung einer stärkeren Betroffenheit von Jungen gibt. 

Was du unternehmen kannst

Da du nun weißt, dass der Nachtschreck an sich nichts Schlimmes oder Besorgniserregendes ist, gibt es nicht wirklich viele Tipps und Trick, die du anwenden kannst. Schließlich wird der Körper deines Kindes die Sache mit ziemlicher Sicherheit selbst in den Griff bekommen. Die Verhaltensempfehlungen für dich als Elternteil beschränken sich daher eher auf Dinge, die du nicht tun solltest.

  • Was du definitiv nicht tun solltest, ist in Panik verfallen. Versuche die Ruhe zu bewahren und halte dir vor Augen, dass der Nachtschreck in den meisten Fällen nichts Schlimmes ist. Das ist vielleicht nicht so leicht, da das Verhalten deines Kindes natürlicherweise den Beschützerinstinkt weckt. Dass du dein Kind beschützen und ihm helfen willst, ist ein normaler Reflex.

  • Versuche nicht dein Kind aufzuwecken, solange es keine Gefahr für sich selbst darstellt. Ein plötzliches Aufwachen würde nur für Verwirrung und Orientierungslosigkeit sorgen. Nach dem Nachtschreck wieder einzuschlafen ist die deutlich bessere Option.

  • Auch am Tag danach solltest du deinen Sprössling auf keinen Fall auf das nächtliche Szenario hinweisen. Das würde nur zu einer Angst vor dem Einschlafen führen. 

  • Zu einem guten Schlaf gehören gute Schlafbedingungen. Dazu zählt insbesondere auch ein positives Erleben des zu Bettgehens. Versuche deinem Kind ein Gefühl und Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Gemeinsam zur Ruhe zu kommen wird dabei helfen, die starken Eindrücke des Tages besser zu verarbeiten und mit einem guten Gefühl ins Land der Träume zu gleiten. Es gibt auch tolle Einschlafhilfen, die deinem Kind helfen, schneller in den Schlaf zu finden. 

  • Tritt der Nachtterror auf, kannst du einfach auf sanfte Art über dein Kind wachen, indem du ruhig mit ihm sprichst und es sachte wieder zurück ins Bett leitest, falls es schlafwandelt.  

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