Warum dein Kind plötzlich anfängt zu fremdeln

Oma kommt mal wieder zu Besuch und möchte ihr kleines Enkelkind, wie schon unzählige Male zuvor, gerne auf den Arm nehmen und ordentlich kuscheln. Ganz plötzlich hat das Kleine damit aber offensichtlich ein großes Problem und fängt panisch an zu weinen. Bevor du dir jetzt Sorgen machst, solltest du überlegen, ob es nicht einfach nur eine Phase des Fremdelns ist, die gerade einsetzt. 

Was hat es damit auf sich

Bevor du dir jetzt Sorgen machst, dass irgendetwas mit deinem Kind nicht in Ordnung ist - sei unbesorgt. Das Fremdeln ist nicht nur eine völlig normale Entwicklungsphase im jungen Leben deines Kindes, sondern sogar ein wichtiger Entwicklungsschritt der Persönlichkeit. Die meisten Kinder sind etwa zwischen sechs und zwölf Monate alt, wenn sie das erste Mal fremdeln. Da reicht schon ein Blick von der falschen Person und das Kind bricht in Tränen aus. Statt neugierig und interessiert auf Fremde zuzugehen, wird sich jetzt lieber ängstlich an die Mama geklammert. Diese Reaktion kann auch beim Kontakt mit eigentlich schon bekannten Gesichtern auftreten, sogar bei engen Verwandten.
Das Fremdeln sollte allerdings nicht als Zurückweisung interpretiert werden, sondern eher als eine Art „Update“ der sozialen Fähigkeiten des Kindes. Es zeigt, dass es nun in der Lage ist, soziale Situationen qualitativ zu unterscheiden und seine Mitmenschen detaillierter zu bewerten. Dein Baby hat nun eine Bindung zu den primären Bezugspersonen - und das sind fast immer Mama und Papa, aufgebaut und unterscheidet diese deutlich von der Beziehung zu anderen. Wenn ein Kind noch nicht weiß, wie es eine Person bewerten soll, wird erstmal die Sicherheit und Geborgenheit der Eltern gesucht. Das Vertraute dem Unbekannten vorzuziehen ist eine völlig nachvollziehbare Reaktion, die wir auch im Erwachsenenalter oft noch zeigen. Warum Bekannte und Verwandte, die das Kind eigentlich schon kennt, als fremd wahrgenommen werden, liegt unter anderem an der verbesserten Fähigkeit Gesichter zu erkennen und diese mit charakteristischen und für die Personen typischen Eigenschaften zu verknüpfen. 

Wie Fremdeln zustande kommt

Interessant ist, dass Fremdeln tatsächlich in den meisten anderen Kulturen ebenfalls vorkommt und das immer in ungefähr demselben Alter. Dennoch agiert jedes Kind unterschiedlich. Des Weiteren kann es sein, dass dein Kind im Alter zwischen zwei und drei Jahren nochmals intensiv fremdelt. Danach nimmt es meist ab, da Kinder dann über andere Bewältigungsstrategien verfügen. Allgemein gibt es drei Faktoren, die das Fremdeln beeinflussen: 

  • Die Persönlichkeit deines Kindes: Temperamente sind verschieden und sind zu einem nicht unerheblichen Teil genetisch festgelegt. Bereits im Säuglingsalter unterscheiden sich Babys darin, wie neugierig oder zutraulich sie sind. Die einen sind eher schüchtern und die anderen aufgeschlossen. Der gemeinsame Nenner beim Fremdeln ist, dass es immer ein Ausdruck für eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kind ist, in der Mama und Papa als Ort der Geborgenheit angesehen werden.

  • Die Macht der Situation: In einer neuen Umgebung fremdeln die Kleinen meist stärker und häufiger. Wenn zu einem ungewohnten Umfeld noch fremde Menschen hinzukommen, sind Kinder logischerweise schnell überfordert. Zu Hause fremdeln sie meist weniger, da das ihr gewohntes Terrain ist und außerdem mit den Eltern assoziiert wird.

  • Das Verhalten der Mitmenschen: Wer sich aufdrängt und dem Kind zu nah kommt löst Fremdeln aus. Hier ist Vorsicht geboten, auch wenn es eigentlich enge Verwandte wie Opa und Oma sind, die mit ihrem Enkelkind spielen wollen. Waren die Großeltern länger nicht zu Besuch, wird sie das Kleine vorerst wieder als neue Personen wahrnehmen.

Wie du auf ein fremdelndes Kind zugehen kannst

Wenn dein Kind bei unbekannten, aber auch bei bekannten Personen fremdelt, ist das keine persönliche Wertung, sondern in erster Linie Überforderung. Verhalten, Gestik und Mimik muss vom Kind erstmal eingeordnet und beurteilt werden. Hier haben wir ein paar Tipps, wie man am besten auf ein fremdelndes Kind zugehen kann:

  • Ruhig bleiben, langsam annähern und dem Kind Zeit und Raum geben

  • Auch sehr kleine Kinder haben ihre persönlichen Grenzen. Diese sollten akzeptiert werden!

  • Am Anfang erstmal besser auf Anfassen und auf den Arm nehmen verzichte

  • Abwarten und beobachten, wie das Kind reagiert. An der Reaktion des Kindes ist meistens gut erkennbar, ob es sich wohlfühlt oder überfordert ist.

  • Entspannt und positiv bleiben, dann wird das Kind vielleicht von alleine Kontakt aufnehmen. 

Das Wichtigste ist, dass du dein Kind mit seiner Angst ernst nimmst. Es will dir weder auf die Nerven gehen, noch ist es von heute auf morgen extrem ängstlich geworden. Nicht vergessen - das Fremdeln ist eine positive Entwicklung! Wenn du deinem Kind in Situationen des Fremdelns ein sicherer Hafen bist, wird es sich wahrscheinlich nach einiger Zeit von alleine wieder der Umgebung widmen, denn Neugier und Entdeckungsdrang sind ebenfalls feste Merkmale der Kleinen.

Das Ende des Fremdelns

Wenn dein Kind gar nicht fremdelt, ist das auch in Ordnung. Es kommt mit neuen Eindrücken sehr gut zurecht und die Erwachsenen verhalten sich ihm gegenüber angemessen. An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, dass ein allzu distanzloses Verhalten ein Hinweis auf eine Bindungsstörung sein kann. Das betrifft vor allem Kinder, die ohne feste Bezugsperson aufwachsen.
Im Normalfall lässt das Fremdeln nach, sobald sich dein Kind besser ausdrücken und seine Bedürfnisse mit Worten kommunizieren kann. Dann bekommen unbekannte Gesichter auch schon Mal ein entschiedenes „Nein“ oder „Geh weh“ an den Kopf geworfen. 

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